Simone de Beauvoir Drucken E-Mail
Geschrieben von Birte Ziemann
Mittwoch, 09. Januar 2008 um 16:00 Uhr

Simone de BeauvoirHeute vor 100 Jahren wurde Simone de Beauvoir geboren, eine der bedeutendsten Frauen Europas des 20. Jahrhunderts. Sie war Philosophin, Romanautorin, Essayistin und eine Vorreiterin im Kampf für die Rechte der Frauen. Sie war über 50 Jahre mit Jean-Paul Sartre liiert ohne ihn je zu heiraten. Wer genau war die Frau, die den Feminismus so sehr beeinflusst hat? 

 

Ihr Leben

Simone de Beauvoir wurde am 9. Januar 1908 in Paris als Tochter eines Anwaltes und einer Bibliothekarin geboren und wuchs in einem bürgerlich geprägten Milieu auf. Ihre Mutter war eine sehr religiöse Frau, erzog daher auch Simone und ihre Schwester Hélène streng katholisch und schickte sie auf ein katholisches Mädcheninstitut, woraus zunächst eine tiefe Religiösität in Simone geweckt wurde. Allerdings entschied sie mit 14, dass es keinen Gott gibt und blieb von dem Zeitpunkt an Atheistin, so wie sie sich auch gegen die engen bürgerlichen Vorstellungen von Ehe und der Stellung der Frau innerhalb der Gesellschaft auflehnte. De Beauvoir war eine erklärte Gegenerin der standardisierten Ehe und schlug einen Heiratsantrag von Sartre aus. Sie lebte mit ihm in einer freien Beziehung, hatte aber auch eine mehrjährige Liebschaft zu dem amerikanischen Schrifsteller Nelson Algren.

Nachdem sie ihr Abitur bestanden hatte, studierte sie zunächst Philologie und Mathematik, bevor sie 1926 ihr Philosophiestudium an der Sorbonne aufnahm. Ihre Diplomarbeit schrieb sie über den deutschen Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz ("Der Begriff bei Leibniz") und bestand die agrégation (frz. Lehrerzulassung) als Zweitbeste ihres Jahrgang hinter Jean-Paul Sartre. Nach ihrer bestandenen agrégation arbeitete de Beauvoir zunächst in Paris und gab Privatstunden, bevor sie 1931 eine Stelle als Philosophielehrerin in Marseille bekam. Nachdem sie 1943 aus dem Schuldienst entlassen wurde, veröffentlichte sie ihren ersten Roman ("Sie kam und blieb") und war als freie Schriftstellerin tätig. Ab 1945 schrieb sie dann auch für die von Sartre gegründete Zeitschrift "Les Temps Modernes", in der sie vor allem ihre politischen Essays veröffentlichte.

Neben ihrem lebenslangen Engagement für die Belange der Frauen, machte sie sich als Gegenerin des Algerienkrieges auch für die Unabhängigkeit des Landes stark. Sie kämpfte 1971 mit anderen prominenten Frauen um ein neues Abtreibungsgesetz und unterschrieb die Erklärung "J'ai avorté" ("Ich habe abgetrieben"), 1974 wurde sie sogar Präsidentin der "Liga für Frauenrechte" in Frankreich. 1978 erhielt sie den Großen österreichischen Staatspreis für europäische Literatur. 1986 starb Simone de Beauvoir mit 78 Jahren in Paris.

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Ihr Werk

Simone de Beauvoir veröffentlichte etliche Essays, mehrere Romane und auch ein Theaterstück. Als ihre Hauptwerke gelten "Das andere Geschlecht" und "Das Alter", zwei theoretische Schriften. In ihrem Werk setzt Simone de Beauvoir sich vor allem mit der Rolle der Frau auseinander, was ihr den Status der Vorreiterin der Emanzipation eingebracht hat.

In "Das andere Geschlecht" prägte sie den Satz "Man wird nicht als Frau geboren, man wird es". Das 1949 in zwei Bänden veröffentlichte Werk wurde seiner Zeit kontrovers diskutiert und sogar vom Vatikan auf den Index verbotener Bücher gesetzt wurde. De Beauvoir untersucht aus verschiedenen Blickwinkeln - historisch, psychoanalytisch, biologisch - wie die Rolle der Frau als "die Andere", das defizitäre Gegenstück des Mannes entstanden ist.

In "Das Alter" setzt sie sich vordergründig - wie der Titel schon sagt - mit dem Altern und der Diskriminierung der Älteren auseinander. Außerdem untersucht sie, wie die verschiedenen Lebensumstände wie Beruf und Wohlstand sich auf den Alterungsprozess auswirken. "Das Alter" wurde durchweg positiv aufgenommen und wurde ein großer Erfolg bei den Kritikern.

Ihre Romane und Erzählungen sind stark von der existentialistischen Philosophie Sartres geprägt und zeigen, wie Menschen sich auf schwierige soziale und politische Situationen einstellen. In vielen Erzählungen nimmt sie außerdem autobiographische Bezüge auf. So verarbeitet sie in "Ein sanfter Tod" (1964) den Krebstod der Mutter, in "Eine gebrochene Frau" (1967) sind Frauen über 40 ihre Protagonistinnen. Insgesamt hat sie neben ihren Essays und Biographien sechs Romane und eine Novelle veröffentlicht. Außerdem veröffentlichte sie nach dessen Tod die Briefe Jean-Paul Sartres.

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Tags: Beauvoir  Feminismus  Das andere Geschlecht  
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 09. Januar 2008 um 15:18 Uhr