A A A
Specials mairisch Verlag
mairisch Verlag Drucken E-Mail
Geschrieben von Christine Neudert
Montag, 20. Juli 2009 um 10:00 Uhr

mairisch Verlag1996 begann eine Gruppe junger Leute Lesungen unbekannter Autoren zu veranstalten – so erfolgreich, das daraus drei Jahre später der mairisch Verlag entstand.   Den Schwerpunkt ihrer Veröffentlichungen legten die drei Verlagsgründer Daniel Beskos, Blanka Stolz und Peter Reichenbach auf Debüts junger Autoren und auf Hörspiele der freien Hörspielszene – und natürlich nach wie vor auf Lesungen.
Im Buchhandel ist mairisch seit 2005 vertreten – seitdem wurden Verleger und Autoren mit zahlreichen Preisen wie dem 1. Platz des Hörspielpreises der Leipziger Buchmesse (2006) oder den 2. Platz des MDR Literaturpreises (für Andreas Stichmann) ausgezeichnet.
Wir sprachen mit Daniel Beskos.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen eigenen Verlag zu gründen und wann haben Sie ihn gegründet?

Zum Ende unserer Schulzeit begannen wir, Lesungen junger Autoren zu veranstalten. Auf diesen Veranstaltungen fragten uns die Besucher regelmäßig, ob die vorgetragenen Texte als Bücher erhältlich seien. Da die Texte dieser völlig unbekannten Autoren natürlich noch nie gedruckt waren, lag die Idee, eigene Hefte mit Texten und Fotos der Veranstaltungen zu gestalten, natürlich nahe. Wir produzierten also recht aufwändige Hefte in kleinen Auflagen – und verkauften bei der nächsten Veranstaltung immer die gesamte Auflage. Daraus entstand dann irgendwann die Idee, einen Verlag zu gründen, rein aus Spaß – und weil DIY, das Selbstmachen, bei uns zur Divese wurde. Einen richtigen Plan, ein Unternehmen zu gründen, gab es damals nicht. Das war 1999. Ab da gab es kleinere, unregelmäßige Produktionen (Bücher und CDs), aber erst seit 2005 sind wir regulär im Buchhandel vertreten. Seitdem wurde alles deutlich professioneller - wir haben unsere Schwerpunkte auf Junge Prosa und Hörspiel festgelegt, unser Team ausgeweitet, konnten einige Erfolge bei Presse und Lesern erreichen und haben 2006 sogar die Verlagsprämie der Hamburger Kulturbehörde für besonders ambitioniertes Programm bekommen.


Wie würden Sie das Profil Ihres Verlages beschreiben, gibt es einen thematischen Schwerpunkt?

Die beiden Schwerpunkte des mairisch Verlags sind Junge Literatur und Hörspiel. Einerseits widmen wir uns also der Prosa, entdecken junge Autoren, publizieren folglich zumeist Debüts, versuchen dann aber auch, diese Autoren auf ihrem weiteren Weg zu begleiten. Andererseits widmen wir uns der „freien Hörspielszene“, also Autoren und Stücken jenseits der „offiziellen“ ARD-Produktionen.


Hat der Name des Verlages eine bestimmte Bedeutung, wie sind Sie darauf gekommen?

„mairisch“ heisst in unserer hessischen Heimat „Unkraut“. Zumindest nannten unsere Großeltern es so. Der Name entstand – wie der Verlag – aus Spaß heraus, dann fanden wir ihn aber so gut, dass wir dabei blieben. Ein schönes Wort, das dem Anschein nach keine Bedeutung hat, für uns aber doch. Wir sammeln aus dem „Wildwuchs“ der jungen Literatur interessante Projekte heraus, könnte man vielleicht sagen.


Haben Sie eine Art „Zugpferd“? Wer ist der Starautor in Ihrem Programm?

Das dürfte Finn-Ole Heinrich sein. Mit seinen beiden bisherigen Büchern „die taschen voll wasser“ und „Räuberhände“ hat er nicht nur jede Menge Lob von Lesern und Presse bekommen, sondern auch so ziemlich alle Preise eingesammelt. Daher sind wir sehr gespannt auf seinen neuen Erzählband „Gestern war auch schon ein Tag“, der im Herbst 2009 erscheint.


Auf welches Buch in Ihrem bisherigen Programm sind Sie besonders stolz?

Eines der innovativsten und aufwändigsten Projekte unseres Verlags ist sicher „pressplay – Die Anthologie der freien Hörspielszene“, von der bisher zwei Teile erschienen sind. Ein vergleichbares Projekt gab es bislang in Deutschland noch nicht, zudem war das Ganze sehr aufwändig – und wir haben nebenbei viel gelernt, zum Beispiel über Fragen der GEMA, wie der Musikmarkt funktioniert usw. Herausgekommen sind zwei wunderschön gestaltete Anthologien mit je 20 Hörspielen.


Welches Buch auf dem Markt hätten Sie gerne selbst verlegt?

Wir sagen immer, wir veröffentlichen nur Bücher, die uns wirklich am Herzen liegen. Aber auch davon gäbe es ja einige...


Was ist der Vorteil an einem unabhängigen Buchverlag? Wo liegen eventuell Nachteile?


Schön ist, dass man bei jedem Projekt – dank des kleinen Teams – alle Schritte von der ersten Idee über die Konzeptierung, die Herstellung, die Presse, die Veranstaltungen und den Vertrieb direkt mitbekommt. Man ist also vollständig involviert und sieht die eigenen Ideen Gestalt annehmen – das ist eine sehr befriedigende Arbeit. Zudem können wir die Autoren und ihre Bücher intensiver und längerfristig betreuen, als das in großen Verlagen möglich wäre. Wir stehen nicht nur als Lektoren zur Seite, sondern koordinieren eben auch Einreichungen zu Preisen und Wettbewerben, organisieren die Lesungen und machen langfristig Pressearbeit.
Die Nachteile sind ebenso klar: Man hat es als kleiner Verlag schwer, in den Buchhandel zu kommen, Gelder für Werbung sind praktisch nicht vorhanden, und die Presse bespricht manchmal dann doch erstmal die Bestseller.


Was fehlt der deutschen Literatur- und Verlagslandschaft Ihrer Meinung nach?

Ruhe. Unter dem Zwang, mindestens alle 6 Monate ein neues Programm vorlegen zu müssen, weil man nur so die Kreisläufe des Betriebs bedienen kann, leidet oftmals nicht nur die Qualität und die Sorgfalt in der Herstellung, sondern es tut auch den Autoren und ihren Büchern unrecht – ein guter Roman, ein guter Erzählband sollte auch einige Jahre nach seinem Erscheinen noch gelesen werden. Leider geht jedes neue Buch aber sehr schnell wieder unter noch Neuerem unter. 

 

 

 

 

 

 

Besprechungen

 

  • pressplay 2 - Die Anthologie der freien Hörspielszene

Verlage in eigenen Worten

 


blog comments powered by Disqus

Diese Seite bookmarken!
BlinkList Bloglines Blogmarks bookmarks.ag del.icio.us Digg.com Facebook Favoriten.de Furl Google HUiP icio.de Infopirat Linkarena Linksilo.de Live MyTagz.de Netscape Reddit SEOigg Slashdot SOFTigg Spurl StumbleUpon Technorati Webnews Webride Mister Wong Yahoo Yigg
 

Folge uns


Facebook  Twitter  RSS

Anzeige

Unsere Seiten

 

Statistik

10.256 Rezensionen, 1.638 Autorenporträts,  2.347 Clubmitglieder, uvm.

Wer ist Online

Wir haben 161 Gäste online


Empfehlungen

   

Glückwunschkarten oder einfach nur mal so - einfach elektronisch verschicken mit E-Cards

 

Alles zu dem Thema Buch im Branchenbuch

 

Bücher lesen sich am besten im Urlaub und dienen zusätzlich der Erholung.
So auch im Ferienhaus an der Nordsee.

 

Übersetzungen, Dolmetschen, Sprachtrainings in bester Qualität

(c) 1998-2010 Sven Trautwein - literature.de