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Freitag, 16. August 2002 um 09:30 Uhr |
Frankreich Anno 1207. Die strenggläubigen Katharer sind offiziell zu Ketzern erklärt worden, der Papst ruft zum Kreuzzug auf. Vor einem Hintergrund aus Blut und Feuer entwickelt sich eine Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die doch trotz Verletzungen und Missverständnissen nicht voneinander lassen können.
Siebzehn Jahre ist Amaury de Poissy alt, als er sich mit seinen älteren Brüdern dem Kreuzfahrerheer anschließt, doch ganz so einfach wie er es sich vorgestellt hat, ist es nicht, für sein Seelenheil zu töten. Seine Begeisterung wandelt sich schnell in großäugiges Entsetzen und Mitleid. Während seiner ersten großen Schlacht lässt er ein junges Mädchen aus einer brennenden Kirche entkommen.
Er trifft Colomba wieder, als er ohne Gedächtnis und verwundet in die Hände der Ketzer fällt. Teils aus Liebe, teils aus Faszination mit den strengen Lehren der Katharer nimmt er ihren Glauben an und stellt sich gegen seine früheren Verbündeten. Doch auch im Schoß der neuen Gemeinde findet Amaury keinen Frieden. In den Kriegswirren verliert er die schwangere Colomba aus den Augen. Von jetzt an ist er allein mit seinen Zweifeln, seiner Einsamkeit und seinem Gewissenskonflikt.
Die Liebesgeschichte zwischen Amaury und Colomba spannt ihren Bogen über vierzig Jahre blutiger Religionsgeschichte. Die Rebellin von Avignon ist ein breit angelegter historischer Roman, der versucht, dem Leser eine eher unbekannte Epoche vor Augen zu führen. Amaury und Colomba stehen dabei stellvertretend für die beiden vorherrschenden Glaubensrichtungen - sie die Ketzerin und strenge Christin, er der Adlige und zweifelnde Kreuzritter. Nacheinander erfährt der junge Mann Schlacht, Religionsunterweisung ,Erbschaftsstreit und Inquisition. Doch dieser notwendige Wegweiser durch die Geschichte hat zur Folge, dass die Charaktere in ihrer Typisierung flach bleiben und keine wirklich Anteilnahme mit ihrem Schicksal aufkommen lassen. Erst zum Ende hin rückt die Autorin durch die Gegenüberstellung von Vater und Sohn das menschliche Schicksal in den Vordergrund. In dieser emotionsgeladenen Situation tritt das entscheidende Manko der Erzählung am deutlichsten hervor. Nach einem Leben voll Schlacht, Gefahr und Gefangenschaft ist Amaury immer noch der siebzehnjährige Junge, wo der Leser einen gereiften Mann erwarten würde, bei dem das Leben Spuren hinterlassen hat.
Charakterzeichnung ist nicht die starke Seite des Romans, doch Freunde historischer Romane werden in der Rebellin von Avignon eine Fülle bunt verpackter Informationen finden, die nicht nur für einen verregneten Nachmittag gut ist.
Redakteur:
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Hanny Alders
Die Rebellin von Avignon
574 Seiten, Fischer Taschenbuch Verlag
ISBN 3-596-15292-5
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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 10. Oktober 2006 um 17:50 Uhr |