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Brügge im fünfzehnten Jahrhundert – eine Vernunftehe kommt für die leidenschaftliche Christina überhaupt nicht in Frage. Lieber flieht sie mit ihrem Geliebten, der zu allem Überfluss auch noch Jude ist. Doch statt der Erfüllung bringt dieses Abenteuer unbeschreibliches Leid, das alle Beteiligten zum Erwachsenwerden zwingt.
Nach zwei Generationen leidenschaftlicher Frauen ist die Reihe nun an Christina, der einzigen Tochter aus dem Handelshaus Contarini, die Familientradition unerfüllbarer Liebe aufrechtzuerhalten. Ihre Wahl fällt auf Daniel, einen jungen Juden, den sie dem geckenhaften Hendrik van der Molen von ganzem Herzen vorzieht. Als sie zur Ehe mit letzterem gezwungen werden soll, fliehen Daniel und Christina, in ihrer Begleitung Christinas Bruder Lucas und ihre jüdische Freundin Hannah. Doch ihre Reise gestaltet sich beschwerlicher als die vier verwöhnten jungen Leute es sich vorgestellt haben. Während Lucas sich immer mehr von seinem Traum, Maler zu werden, abzuwenden scheint, stranden Christina und Daniel bei dem Versuch, eine Passage nach Venedig zu finden, auf einem Choleraschiff und werden unter Quarantäne gestellt. Als Daniel lebensgefährlich erkrankt, drohen Christinas Träume endgültig an der Realität zu zerbrechen.
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Nach Beginenfeuer und Die Stunde des Venezianers ist Das flandrische Siegel der dritte Band um Brügge und seine Handelshäuser. Rund hundert Jahre sind vergangen, doch die mächtige Stadt hat sich nicht wirklich verändert. Immer noch beherrschen Intrigen, erzwungene Ehen und die weibliche Sehnsucht nach Freiheit das Klima, jedenfalls wenn man die Welt mit den Augen der Autorin betrachtet. Ihr Roman vereint die gleichen Stärken und Schwächen wie auch schon die Vorgänger. Die Handlung ist ebenso gefällig ausgestaltet wie die konventionell-unkonventionelle Heldin, die sich mit ihrem Schicksal nicht abfinden kann. Dass die Geschichte vor allem in der ersten Hälfte eher blass wirkt, liegt auch an der fehlenden Chemie zwischen Christina und ihrer großen Liebe Daniel. Zu schnell wird diese problematische Beziehung in Szene gesetzt, zu glatt und unproblematisch werden die unüberwindlichen Hindernisse aus der Welt geträumt. Dass der Roman in der zweiten Hälfte deutlich an Dichte und Dramatik gewinnt, liegt an einem eher genreuntypischen Einschnitt und einer dramatischen Veränderung der Figurenkonstellation. Außerdem werden der Heldin mit ihrem Bruder und ihrer Freundin zwei echte Sympathieträger an die Seite gestellt, deren ruhigere, leisere Geschichte nicht weniger phantastisch ist, aber in ihrer Unaufdringlichkeit sogar zum emotionalen Kernstück werden könnte. Insgesamt bietet Das flandrische Siegel alles, was treue Leserinnen von Marie Cristen erwarten dürfen, und vielleicht sogar noch ein bisschen mehr. Fazit: Historische Romanze ohne Tiefgang, aber mit Unterhaltungswert
Marie Cristen Das flandrische Siegel Knaur, Februar 2009 560 Seiten, gebunden, 16,95 Euro ISBN 10: 3426662205 ISBN 13: 9783426662205
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