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The Sea, the sea Drucken E-Mail
Geschrieben von Administrator
Dienstag, 21. August 2001 um 12:43 Uhr
Hier bestellen!Die im letzten Jahr verstorbene Iris Murdoch war zweifelsohne eine der bedeutesten und auch produktivsten englischen Autoren der Nachkriegszeit. Wie kaum ein zweiter Autor überwand sie den Graben zwischen Literatur auf der einen und Belletristik auf der anderen Seite. Ihre Werke gehören zum Kanon der Universitäten und finden sich ebenso auf den Bestsellerlisten wieder. Der von ihr 1978 verfaßte Roman markiert in gewisser Weise den Höhepunkt ihres Schaffens. Das Buch wurde mit dem "Booker"-Preis ausgezeichnet und verbindet die Themen, an der die Philosophin Murdoch zeit ihres Lebens reges Interesse bekundete: die Liebe und die Wahrheit. Im Mittelpunkt der Handlung steht der gealterte Theaterregisseur Charles Arrowby, der nach einer äußert erfolgreichen Karriere den Brettern die für ihn die Welt bedeuteten, endgültig den Rücken kehrte. In einem kleinen, verschlafenen Nest an der englischen Westküste beschließt er sein Leben Revue passieren zu lassen, um es in seinen Memoiren festzuhalten. Doch die scheinbare Idylle erweist sich als trügerisch. Sieht er doch eines Nachts ein riesiges Seeungeheuer aus dem Wasser emporsteigen, dass für ihn zum Boten für das ihm drohende Unheil wird. Kurz darauf trifft er seine ehemalige Jugendliebe Hartley wieder, die ihn einst unter mysteriösen Umständen verlassen hatte.
Sie lebt in eben jenem Dorf das Charles sich für sein Arkadien des Alters ausgesucht hatte. Sie ist nun verheiratet und trauert um ihren adoptierten Sohn, der von seinem Zuhause ausgerissen ist. In Charles entflammt die alte Liebe und er ist entschlossen, Hartley für sich zu gewinnen. Aus seiner Liebe heraus steigert er sich bald in einen Liebeswahn, der auch vor Entführungen nicht halt macht. Das Opfer ist Hartley, die sich allen Annäherungsversuchen Charles standhaft entzieht. Charles kann nicht glauben, dass seine ehemalige Geliebte, das bürgerliche Leben seiner unersättlichen Liebe vorzieht.

Erst als Titus, Hartleys Sohn, der unmittelbar bei Charles aufgetaucht ist und von ihm benutzt wird, um Hartley zu erpressen, bei einem Badeunfall ums Leben kommt, erkennt Charles die eigenen Trugschlüsse. Die Hartley seiner Jugend ist nicht mehr die Hartley des Alters, die ohne Illusionen, aber dennoch zufrieden lebt.

Der Erkenntnisprozess des Charles Arrowby ist essenziell für die Weltsicht der Autorin. Charles, der Theatermensch, vermag zwischen der illusionären Welt der Bühne und dem Leben vor dem Vorhang nicht mehr zu unterscheiden. Für Murdoch ist dies exemplarisch für die Situation des modernen Menschen. Charles Arrowby ist ein moderner Mensch, der von Iris Murdoch mit großer Intensität gezeichnet ist. Die Charakterstudie des Protagonisten ist der Kern des Romans und gleichzeitig Illustration der überragenden erzählerischen Fähigkeiten seiner Verfasserin. Der postmodernen Welt, in der menschliche Identitäten nur noch Fragmente sind, tritt Murdoch entschlossen entgegen, indem ihre Figuren ein Leben hinter den Zeilen und außerhalb des Romans entwickeln.

Iris Murdoch
The Sea, the Sea
Penguin Books, 528 Seiten, 2001
ISBN 0-14-118616-X

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