|
Freitag, 06. September 2002 um 09:24 Uhr |
Die Gaben des Teufels sind Ruhm, Geld und Erfolg. Der zweitklassige Schriftsteller und Übersetzer von billigen Liebesromanen Ernest sieht all dies in Reichweite, als Joseph sich unvermutet an den Tisch in seiner Stammkneipe setzt. Denn Joseph ist ein gesuchter Frauenmörder, der ihm ganz exklusiv seine Geschichte anbietet.
Eine kleine Gruppe von Verlierern hat sich im Herzen von Paris versammelt: Ernests Beziehung zu Maryse ist an seiner rastlosen Mittelmäßigkeit gescheitert. Er tröstet sich mit Sabine, die wiederum von einem Job in einer Nobelparfumerie träumt, um aber doch im String-Tanga als Stripperin zu tanzen. Maryse vertraut daraufhin ihren frustrierten Körper dem Gigolo Alexis an, der Geld und Macht an der Seite der erfolglosen Spielerin Jackie sucht. In diesen Kreis tritt Joseph, der Gesichtslose, der Geheimnisvolle, der mit Geld nur um sich wirft und behauptet, der Frauenmörder zu sein, der Paris seit Monaten in Angst und Schrecken versetzt. Als er Ernest seine Gesichte verkauft, greift dieser zu, und für einen Augenblick tritt er tatsächlich aus seiner Mittelmäßigkeit hinaus. Aber der Pakt mit dem Teufel ist schwieriger zu lösen als Ernest sich das gedacht hatte.
Der Geschichtendieb ist die Geschichte eines Verlierers, mit dem niemand Mitleid hat. Seine Durchschnittlichkeit erzeugt keine Identifikation, da sie nicht menschlich-liebenswert sondern eher armselig erscheint. Ähnliches lässt sich auch für die Co-Akteure sagen, die kaltschnäuzig, käuflich und gleichgültig sind. Der Roman, der zwischen Satire und Gleichnis angesiedelt ist, setzt nicht auf Einzelschicksale und charakterliche Entwicklung. Seine Figuren sind Typen, auf die die Erzählung immer wieder den Scheinwerfer richtet, um die Denk- und Handlungsweise eines in sich verrotteten Milieus zu beleuchten. Leben gewinnt der Roman erst aus der lakonischen Erzählweise und der surrealen Atmosphäre, die dadurch geschaffen wird. Kern der Erzählung ist ein Teufelspakt, doch dem Teufel selbst entgleiten die Fäden, und der Gewinner ist der, der zur rechten Zeit zugreift.
Fazit: Satirisches Gleichnis auf den Literaturbetrieb mit augenzwinkerndem Finale
Jean-Pierre Gattegno
Der Geschichtendieb
280 Seiten, Reclam Leipzig
ISBN 3-379-00795-1
Weitere Bücher von Jean-Pierre Gattegno
Redakteur:
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.
Sie können das Buch bequem online bei unseren Buchhandelspartnern bestellen:
libri.de
amazon.de
Gebrauchte und vergriffene Bücher bei eXtrabooks.de
|