Goethe-Institut Inter Nationes und Deutschlehrerverbände fordern politische Unterstützung für Mehrsprachigkeit
(mz) Den Stellenwert von Deutsch weltweit zu diskutieren und neu zu definieren, dies war das Ziel der XII. Internationalen Tagung der Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer, die am Wochenende in Luzern zu Ende ging. 1700 internationale Experten und Vertreter von insgesamt 90 Deutschlehrerorganisationen, deren
Verbandsarbeit das Goethe-Institut Inter Nationes im Rahmen der auswärtigen Kulturpolitik weltweit unterstützt, haben zum Abschluss der Tagung eine Resolution verabschiedet, in der sie von allen Verantwortlichen im Bildungsbereich ein verstärktes Engagement für Mehrsprachigkeit fordern.
Dass Sprachenpolitik auch Friedenspolitik ist, zeigt sich am deutlichsten dort, wo andere sprachliche und kulturelle Identitäten Auslöser für Krieg und Vertreibung sind. Das Erlernen anderer Sprachen fördert nicht nur die direkte Kommunikation, sondern vermittelt auch Toleranz und interkulturelle Kompetenzen allgemein. So z.B. beschränkt sich der von mehreren Staaten Europas initiierte Stabilitätspakt Südosteuropa nicht nur auf den Wiederaufbau von Verkehrswegen und Infrastruktur. Im Auftrag des Auswärtigen Amtes hat das Goethe-Institut Inter Nationes seit Mitte 2000 ca. 1,3 Mio. DM in bildungspolitische Projekte in der Balkanregion investiert mit dem Ziel, zivilgesellschaftliche Strukturen aufzubauen und zu stärken.
Mehrsprachigkeit sollte auch in europäischen Institutionen und Gremien verstärkt praktiziert werden. In diesem Kontext fordern die Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer in ihrer Resolution, dass "die deutsche Sprache als eine der wichtigsten europäischen Sprachen (...) in der Europäischen Union und im Europarat als Arbeitssprache anerkannt werden" solle. Der Prozess der EU-Erweiterung könne so erleichtert werden, da die in den Beitrittsländern vorhandenen Deutschkenntnisse genutzt werden könnten. Bedenkt man, dass Deutsch mit zur Zeit ca. 2,7 Mio. Lernern nach Englisch die mit Abstand wichtigste Fremdsprache beispielsweise in Polen, Tschechien und Ungarn ist, könnte diese Forderung in Zukunft mehr Gewicht erhalten.
Mehrsprachigkeit - so die Resolution der Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer - heißt aber auch, dass der Sprachenvielfalt im eigenen Land mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Die Sprachen von Minderheiten und Migranten sollten daher in das Angebot von Schulen und Hochschulen
eingebunden werden. Denn Sprachenunterricht "kann einen zentralen Beitrag zur Integration von Menschen verschiedener Lebenswelten leisten".