Die platte, angebliche Erkenntnis, dass in Wein Wahrheit liegen soll, habe ich besonders morgens schon öfter verflucht. Doch Wahrheit muss nicht unbedingt schmerzen – ist doch zumeist eher mangelnde Qualität der verköstigten Weine schuld daran. Und um diese Spur der Wahrheit besser weiterverfolgen zu können, wurde mir ein Gehilfe zu Seite gestellt: das “Lexikon der italienischen Weine. Sämtliche DOCG- und DOC Weine.“
DOC ist eine EU-weite Klassifikation zur Kennzeichnung von Weinen höherer und höchster ( DOCG ) Qualität. Es handelt sich um Weinanbaugebiete in den italienischen Regionen vom Aostatal bis nach Sardinien, die den jeweiligen charakteristischen Wein der Klassen DOC und DOCG hervorbringen. Preise oder Beschreibungen bestimmter Jahrgänge findet man in diesem Buch nicht.
Neben einer Einleitung über Entstehungsgeschichte der Weine, deren Region, Produktion und dem lexikalischen Hauptteil, gibt es zwei Glossare: ein Weinglossar und eins der Speisenempfehlungen. Denn bei keiner Weinbeschreibung fehlt eine genaue und ausführliche Angabe, welche Speisen am besten dazu passen - italienische natürlich ( Crostini, klar kenn ich – aber was war noch mal Baicoli?). Sehr hilfreich.
Der lexikalische Hauptteil selbst ist sehr ausführlich und sachlich. Ich lernte nicht nur über den Wein, sondern auch über die italienischen Regionen. Und wer sich schließlich von den in der Weinkunde üblichen Metaphern und verspielten Eigenschaftswörtern anstecken lässt ( an der Nase angenehm, zart kräutertönig, am Gaumen vollmundig, im Abgang zarte Kräuternote, etwas fett) und sich einen Wein heraussucht, wird unter Umständen beim Händler feststellen, dass die Preise bisweilen Tränen in die Augen treiben – Freudentränen in die des Verkäufers. Denn südeuropäische und gerade italienische Qualitätsweine sind leider oft überkauft oder unangemessen teuer.
Sämtliche Weine, Regionen und Speisen sind hervorragend indiziert und lexikalisch aufbereitet. Man findet wirklich alles - dies ist nicht unbedingt selbstverständlich. Ein Nachschlagewerk nicht nur für den transalpinen ZEIT-Leser mit Siebeckscher Gaumenprägung, sondern wirklich hilfreich auf der Suche nach Wahrheit. Und schmerzt die hernach immer noch – dann lag’s wirklich an der Menge.
Enoteca Italiana; DeAgostini Lexikon der italienischen Weine
336 S., Zweifarb. illustr., 20 Ktn
Gräfe und Unzer
ISBN 3-7742-0756-9