Cover sind immer so eine Sache. Sie sind die Visitenkarte eines Buches und entscheiden vor allem bei den so gefürchteten wie umworbenen Laufkunden in sekundenschnelle über Erfolg und leider auch Nicht-Erfolg eines Buches. Wer jemals Lektoren zugehört hat, weiß, wenn ein Buch floppt, dann ist nie der Text sondern allein das im Nachhinein misslungene Cover schuld. Wie sollte es auch anders sein! Und noch immer gibt es kein Patentrezept für DAS Cover, das Verkäufe im Hundertausender- oder gar Millionenbereich garantiert.
Ob „Paris Trout“ ein Erfolg wird, das steht ebenso in den Sternen – zu wünschen wäre es ihm! Und das umso mehr, als das Cover zwar versucht die bedrückende Stimmung des Textes einzufangen dabei allerdings auf eine platte Symbolik zurückgreift: Eine auf den potentiellen Leser gerichtete Pistole. Hmmm. Man würde nicht vermuten, dass sich hinter diesem Cover ein hoch origineller und hervorragend geplotteter Text verbirgt.
Pete Dexter, der Autor des Romans gilt als einer der profiliertesten Drehbuchschreiber Amerikas und hat bislang sechs Romane veröffentlicht, mit denen er – positiv formuliert – zu einem literarischen Geheimtipp avancierte. Der Roman seines aktuellen Romans spielt in dem kleinen Südstaatennest Cotton Point in Georgia zu Beginn der fünfziger Jahre. Das Zusammenleben in dieser Gemeinde gestaltet sich aufgrund eines tief verwurzelten Rassismus kompliziert. Eine Eskalation dieser Situation scheint nur noch eine Frage der Zeit.
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Diese Zeit ist gekommen als Paris Trout, ein angesehener und äußerst vermögender Ladenbesitzer bei einer schwarzen Familie Schulden eintreibt. Dabei kommt es zu einem Streit, dem Handgreiflichkeiten und schließlich ein brutaler Mord an einem jungen farbigen Mädchen folgt. Der gesamte Ort verfällt in eine hilflose Schockstarre. Obwohl die Situation klar ist, Paris Trout als Mörder eigentlich feststeht, gelingt es ihm sich seiner Verantwortung zu entziehen und weiter sein Leben zu führen. Dabei verstrickt er jeden in seiner Umgebung in eine Welt aus Angst und blinder Gewalt, der sich selbst sein Anwalt nicht entziehen kann. Eine Erneute Gewalt-Eskalation bahnt sich an, als sich Trouts Anwalt Harry Seagraves in die Frau seines Mandaten verliebt.
Dexter hat ein beinahe unverschämt ausgeprägtes Talent nicht nur eine düstere und bedrohliche Szenerie zu entwerfen, sondern auch bis ganz zum Schluss, bis zur letzten Seite aufrecht zu erhalten. Von daher erscheint es auch kaum verwunderlich, dass Dexter für diesen Roman mit dem National Book Award ausgezeichnet wurde und – glaubt man den Verlagsinformationen – in der ausländischen Presse euphorisch besprochen wird. Wie gesagt, das ist nach der Lektüre dieses Romans nicht weiter verwunderlich. Dennoch ist "Paris Trout" weit mehr als nur ein Roman für Kritiker! Und es ist weit mehr als ein Roman über das Amerika der fünfziger Jahre und die Rassenproblematik. Mitreißend und ohne sich dabei in abstrakte Höhen abzudriften bewegt sich Dexter bzw. lässt Dexter seine Protagonisten auf der schmalen Linie, die zwischen Gut und Böse, zwischen Menschlichkeit und Grausamkeit verläuft agieren. Und wer glaubt, dass nur alkoholisierte Menschen diese Linie nicht treffen und Gefahr laufen daneben zu treten, dem wird in diesem Buch vorgeführt, dass es oftmals unbedachte, scheinbar harmlose kleine Fehltritte sind, meist von unbescholtenen Menschen, denen man so etwas nie nie nie zugetraut hätte, die sich plötzlich neben der Linie, auf der Seite des Bösen, der Grausamkeit befinden. Und das zeigt dieser Roman auf eine erschreckend realistische und fesselnde Weise.
Ein Buch, dem man trotz des Covers eine riesengroße Leserschaft wünscht!
Ein großer Roman über die dünne Linie zwischen Menschlichkeit und Grausamkeit, so faszinierend wie das Böse selbst. Mit seinem von der Presse euphorisch gefeierten und mit dem »National Book Award« ausgezeichneten Roman gelang Pete Dexter der Durchbruch zu einem der bedeutendsten Gesellschaftschronisten Amerikas.
Cotton Point, Georgia - ein Südstaatennest zu Beginn der fünfziger Jahre. Unter der idyllischen Oberfläche bestimmen Rassismus und Klassendenken das Zusammenleben von Schwarzen und Weißen. Als der angesehene Ladenbesitzer Paris Trout ein farbiges Mädchen brutal ermordet, verfallen die Bewohner des Orts in hilflose Schockstarre. Ohne Skrupel nutzt Paris Trout die heuchlerische Doppelmoral der Gemeinde und entzieht sich seiner Verantwortung. Dabei verstrickt er jeden in seiner Umgebung in eine Welt aus Angst und blinder Gewalt. Einzig seine Frau Hannah wagt es, ihm die Stirn zu bieten. Als sich jedoch der Anwalt Harry Seagraves in Hannah verliebt, kommt es zur Katastrophe.
Mit großem psychologischen Gespür gelingt es Pete Dexter, die schwelende Bedrohung zu verdichten, die von einem Mann ausgeht, der jenseits von Gut und Böse steht. Wie um eine dunkle Mitte herum ordnet Dexter das Ensemble seiner Figuren und formt so das Psychogramm einer zerrissenen Gemeinschaft, die sich unaufhaltsam auf einen Abgrund zubewegt.