Unbarmherzig heizt die Sonne im Sommer die Erde in Sizilien auf. Selbst das Meer wird pisswarm und fade wie abgestandenes Wasser in der Badewanne. Wer kann, ist längst irgendwo gen Norden in den Urlaub gefahren, um wenigstens ab und zu ein kühles Lüftchen abzubekommen. Comissario Montalbano hält die Stellung, obwohl bei dieser Bruthitze selbst potentielle Mörder träge werden und für ihre Verbrechen auf kühlere Temperaturen warten.
Auf Bitten seiner durchsetzungsfähigen Freundin, die in Genua lebt, muss er für sie und ein befreundetes Ehepaar in letzter Minute auch noch ein geräumiges Ferienhaus am Meer suchen. Natürlich findet er das, doch damit fangen für ihn die Probleme erst an. Auseinandersetzungen mit der Freundin, Sorge um einen spurlos verschwundenen Fünfjährigen und Probleme mit einer zufällig gefundenen Leiche eines Mädchens, die schon einige Jahre tot ist. Das alles und die höllisch heißen Temperaturen treiben dem Comissario den Schweiß nicht nur auf die Stirn. Deshalb erleben wir den von Andrea Camilleri erfundenen Polizisten in seinem jüngsten Fall ständig unter der Dusche, beim Umziehen, halbnackt oder mit völlig durchgeschwitzten Kleidern, je nach Hitzegrad auch splitternackt oder in weiten Unterhosen.
Ein Wunder, dass angesichts von so viel Schweiß noch Zeit bleibt für die eigentliche Geschichte. Es scheint, als habe die Hitze des Sommers auch Montalbanos Appetit und die Lust am guten Essen etwas eingedämmt, jedenfalls fällt dieses so angenehme sizilianische Würze in den Kriminalfällen dieses Mal vergleichsweise bescheiden aus. Das zeitweilige Verschwinden des kleinen Jungen fördert einen unter Erdreich verborgenen illegalen Bauteil einer Villa zu Tage, außerdem die Leiche einer seit langem als verschollen gemeldeten jungen Frau, die ermordet worden ist. Das löst auch eine heftige Beziehungskrise zwischen dem Kommissar und seiner Freundin aus, doch eingefleischte Montalbano- Fans wissen, dass es sich nur um zeitweilige Gewitter handeln kann. Irgendwann erliegt auch seine so schnippische Freundin wieder seinem Charme und sie kommt zu Besuch, um ihm wenigstens persönlich Vorwürfe machen zu können.
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Es gehört zum Wesen eines jeden Krimis, dass nach Verwicklungen und Fehleinschätzungen, falschen Fährten und genervten Beteiligten die Bösen irgendwie ans Messer geliefert werden und die Guten triumphieren. Bei Camilleri ist das nicht ganz so. Montalbanos jüngster Fall endet eher mit einer Niederlage für ihn selbst, auch wenn der Mörder zur Strecke gebracht wurde. Zum guten Schluss schwimmt der übertölpelte Kommissar ins Meer hinaus und weint, aber das sieht zum Glück keiner.
"Die schwarze Seele des Sommers" ist alles andere als Camilleris Meisterwerk. Der Fall der so spät gefundenen Leiche und des illegal erbauten Stockwerks einer Villa dümpelt gelegentlich recht träge dahin, ganz so als habe auch dem Autor die Augusthitze zugesetzt. Es mangelt zwar nicht an den derb deftigen Dialogen und dem südländischen Temperament und Weltverständnis, aber dennoch bleibt die Geschichte zu sehr auf Montalbanos ständige Schweißausbrüche und die Trockenvariationen der durchgeschwitzen Unterhosen konzentriert, als das einem der Tod eines berückend schönen Mädchens einen kühlen Schauer des Schreckens über den Rücken jagen könnte.
Andrea Camilleri
Die schwarze Seele des Sommers: Commissario Montalbano blickt in den Abgrund Lübbe; September 2008 286 Seiten; gebunden;19,95 EUR ISBN-10: 3785716176 ISBN-13: 978-3785716175