Am 23.10.08 kommt eine ganz besondere Literaturverfilmung in die deutschen Kinos: José Saramagos Roman "Die Stadt der Blinden" wurde für die Leinwand adaptiert:
Es beginnt ohne Vorwarnung: Am Steuer seines Autos wird ein Mann (Yusuke Iseya) blind: Er sieht nur noch weißen Nebel. Allen, die er trifft, widerfährt das gleiche Schicksal: seiner Frau (Yoshino Kimura), seinem Arzt (Mark Ruffalo), dem guten Samariter (Don McKellar), der ihn nach Hause brachte. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Krankheit und die Regierung fällt eine Entscheidung.
Alle an der Weißen Blindheit erkrankten Menschen werden in einer verlassenen Heilanstalt interniert, wo schnell das Chaos regiert. Und mittendrin ist der einzige Mensch, der von der Epidemie verschont bleibt: Die Frau des Arztes (Julianne Moore).
Der Roman von Nobelpreisträger José Saramago galt lange als unverfilmbar. Fernando Meirelles ("City of God", "Der ewige Gärtner") wagte es trotzdem und schuf ein meisterliches Epos über eine in Blindheit gestürzte Welt, das dem Zuschauer die Augen öffnet. In dem herausragenden Ensemble brilliert allen voran Julianne Moore ("Magnolia") als letzte Sehende; an ihrer Seite überzeugen Mark Ruffalo, Gael García Bernal, Danny Glover und Alice Braga als Blinde, die in einer aus den Angeln gehobenen Welt um ihre Würde kämpfen. DIE STADT DER BLINDEN eröffnete dieses Jahr die Filmfestspiele in Cannes. Am 23.10.08 ist offizieller Kinostart in Deutschland, wo der Film im Verleih der Kinowelt gezeigt wird.
Die Buchvorlage
Im Jahr 1995 veröffentlichte der renommierte Shriftsteller José Saramago seinen Roman "Die Stadt der Blinden", eine apokalyptische Mär über eine Blindheits-Epidemie, die aus dem Nichts bei einem einzelnen Mann beginnt und sich dann mit zerstörerischer Gewalt und rasender Geschwindigkeit auf eine Stadt und schließlich den gesamten Planeten ausdehnt. Obwohl es sich um eine Geschichte über den allumfassenden Verlust der Sehfähigkeit handelt, öffnete das Buch seinen Lesern die Augen und offenbarte eine völlig neuartige Weltsicht.
Das Buch wurde von der Kritik sofort als Klassiker gefeiert, eine überwältigende Parabel über unsere Zeit, in der Katastrophen und Unglücke an der Tagesordnung sind und unsere metaphorische Blindheit, unsere Unfähigkeit, untereinander Kontakt aufzunehmen.
Die Verfilmung
Die Verfilmung des Buches gestaltete sich aus zweierlei Gründen als schwierig. Denn erstens bietet die Geschichte einige Grundvoraussetzungen, die nicht eben typisch für Hollywoodfilme ist: Bis auf eine kann keine der Figuren sehen - es bedurfte einer großen Vision, denn wie macht man einen visuell ansprechenden Film über größtenteils nicht sehende Menschen? Ein Filmemacher, der sofort eine entsprechende Vorstellung hatte, war Fernando Meirelles, damals ein aufstrebender brasiliansicher Fimemacher mit einer Leidenschaft für großes, intensives, allumfassendes Kino.
Das zweite Problem war der Autor selbst: Saramago wies alle Anfragen nach den Verfilmungsrechten kategorisch ab. "Ich habe mich immer geweigert (die Rechte an DIE STADT DER BLINDEN zu verkaufen)", erzählte Saramago 2007 dem New York Times Magazine. Letzendlich gab er aber doch sein Einverständnis und die Schreiber machten sich daran, das Drehbuch zu verfassen.
Die Stadt der Blinden Nach dem gleichnamigen Roman von José Saramago Regie: Fernando Meirelles
Drehbuch: Don McKellar
Darsteller: Julianne Moore, Mark Ruffalo, Gael Garcia Bernal, Alice Braga, Danny Glover
Kamera: Cesar Charlone
Spielzeit: 120 Minuten
FSK: 12
Verleih: Kinowelt