An eine einfache Rechnung erinnert der Titel von Bettina Steinbauers Romandebut. Tatsächlich geht es aber um die Beziehung zwischen zwei Menschen und die Schwierigkeit, in dieser Beziehung zu leben und sie am Leben zu erhalten. So am Leben zu erhalten, dass beide dabei glücklich werden. Gerade in Verbindung mit dem Buchcover - eine Frau geht allein eine Straße entlang, wendet der Kamera den Rücken zu - entsteht der Eindruck, dass dieses Buch nicht die durchschnittlich-glückliche Liebesbeziehung zum Thema hat.
Und so ist es auch. Klara, alleinerziehende Mutter dreier Kinder und Sekretärin in einem Physik-Institut, und Arthur, verheirateter Vater von vier Kindern und gefeiert-umstrittener Physikprofessor, begegnen sich auf einem Kongress. Auf beinahe schon seltsam anmutende Weise sind sie von der ersten Begegnung an voneinander angezogen und fasziniert. Arthur gefällt sich in der Rolle des smarten Verführers, dem Klara offenbar nicht widerstehen kann, allerdings erwartet sie von ihm im Gegenzug wesentlich mehr - sie sucht den Fels in der Brandung.
Sehr schnell gehen die beiden eine Beziehung ein, in der sie von Anfang an sehr offen miteinander umgehen - jede Unsicherheit wird angesprochen, jedem Ärger wird Luft gemacht. Die beiden legen einen permanenten Seelenstriptease voreinander hin. Da Arthur viel unterwegs ist und Klara offenbar recht häufig mit den Kindern im Urlaub, werden diese Gespräche auch ganz modern und oft per SMS geführt.
Doch offenbar hilft alles Reden und Verstehenwollen nicht, denn die beiden scheinen unterschiedliche Dinge zu wollen. Klara, aus deren Sicht erzählt wird, leidet daher mehr unter dieser Affäre als dass sie dadurch beglückt wird. Für Arthur ist die Zeit mit Klara eine willkommene Abwechslung zum sonstigen Alltag - Klara kostet sie einfach jede Menge Kraft.
Laut Klappentext erleben Klara und Arthur die ganz große Liebe, das Ausnahmeerlebnis schlechthin. Davon kann ehrlich gesagt nicht die Rede sein. Vielmehr erhofft Klara sich die ganz große Liebe und endlich den strahlenden Ritter in goldener Rüstung auf dem Schimmel daherreitend gefunden zu haben. Doch immer wieder muss sie erkennen, dass diese Beziehung eben nicht eine echte Partnerschaft ist und ihr nicht das gibt, was sie sich wünscht. Immer wieder wird sie von Arthur enttäuscht, weil er etwas völlig anderes von dieser Liaison erwartet.
Anzeige Im Grunde lässt sich das Thema des Buches also auf die gängige Quintessenz "Frauen ticken in der LIEBE anders als Männer" herunterkochen. Und Klara zeigt tatsächlich sämtliche Nuancen, die eine verliebte Frau durchleben kann - von mädchenhaft verknallt mit Schmetterlingen im Bauch, über sehnsuchtsvoll den anderen vermissend und ohne ihn nicht leben können, von totaler Ergebenheit und bei jedem Wort des Geliebten springen bis zur totalen Verweigerung, die Männer gerne als Zickigkeit abtun. Je nach Stimmung und Gemütslage schwanken die Empfindung der geneigten Leserin dabei von Mitleid, Nachempfindenkönnen und Erinnern eigener Erfahrungen bis zur Ablehnung der Inaktivität dieser Frau. Man möchte ihr gerne hier und da zurufen "Leide nicht so gekonnt, verdammt nochmal, sondern krieg deinen Hintern hoch und tu was". Nun, manchmal möchte man sich auch mit seiner heißen Schokolade direkt mit zu ihr ins Bett legen und leiden.
Auch wenn Bettina Steinbauer mit Klara eine recht stereotype Frau als Protagonistin entwickelt hat. Und auch, wenn sie zumeist recht klischeehaft und teils vorhersehbar erzählt. Dieser Roman hat unleugbar einen Sog und eine Anziehungskraft, der man sich so leicht nicht entziehen kann. Beinahe wie in Klaras Beziehung zu Arthur - man kann nicht anders, als weiterzulesen.
Und während man so liest und sich über Klara ärgert oder auch nicht, spielt Bettina Steinbauer doch sehr gekonnt auf der Klaviatur der Gefühle. Und vielleicht spielt der mathematisch anmutende Titel auch darauf an, dass der Leser plötzlich "Zwei im Sinn" hat - seien dies nun Klara und Arthur oder Klara und man selbst oder jemand ganz anderes. Die Gedanken beginnen automatisch, über die erzählte Geschichte hinaus zu wandern, was ja auch nicht das Schlecheste ist.