In zahlreichen Büchern haben sich namhafte und weniger namhafte Persönlichkeiten mit Sterben und Tod auseinander gesetzt. Erinnert sei hier an das kürzlich erschienene Buch von Werner Schneyder über den Tod seiner Frau oder an die bekannte amerikanische Schriftstellerin Joan Didion, die in dem Buch "Das Jahr Magischen Denkens" den Tod ihres Mannes schriftstellerisch verarbeitet hat.
Auch Petra Thorbrietz hat den Weg des Schreibens gewählt, um den Tod ihres Mannes zu bewältigen. Er ist vor einigen Jahren ganz unerwartet und innerhalb weniger Wochen an Krebs gestorben. Die Autorin ist Wissenschaftsjournalistin. Ihr Essay bewegt sich folglich auf einer Mischebene zwischen eigenem Erleben und wissenschaftlichen Daten, mit denen sie sich des Themas angenommen hat.
So sehr das eigene Erleben für Leidende und Betroffene von Bedeutung ist, um sich im Leidensweg nicht alleine zu fühlen, so verdienstvoll ist gerade die von ihr gewählte Form der Analyse aus Fakten und Daten, mit der sie das Thema angeht. Zeigt sie doch die Lücken im Medizinbetrieb, in den Krankenhäusern, beim Pflegepersonal und insbesondere bei den Ärzten, ja im öffentlichen Leben überhaupt auf, mit denen man dem Tod begegnet und in vielen Fällen ausweicht.
Erschreckend fällt ihre Bilanz aus, in der das persönliche Leid, die Krankheit mit ihren Schmerzen und die Einsamkeit des Paares aufgezeigt werden. Widersprüchliche Informationen nach ausgedehnten Untersuchungen wecken Hoffnungen, die sich nicht erfüllen. Unsicherheit erfasst sie und ihren Mann, als die Ärzte immer eiliger dem Patienten ausweichen oder immer neue, aufwendige und möglicherweise unnötige Untersuchungen und Behandlungen anberaumt werden. Niemand traut sich, dem Ende ins Auge zu schauen, die Ärzte nicht und die Patienten nicht. Dass Ärzte sich schwer tun, das Ende ihres medizinischen Auftrags, der im Heilen begründet ist, zu akzeptieren, wird zwischen den Zeilen deutlich.
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Petra Thorbrietz geht dem Thema systematisch auf den Grund. Sie zeigt auf, wo es schlecht läuft, und sie versteht aufrichtig, ihre Dankbarkeit zu artikulieren, als sie mit ihrem Mann endlich auf einer Palliativstation mitfühlende Hilfe erfährt. Da ist das Ende schon nahe! Wie wichtig aber die mitmenschliche Haltung für alle Betroffenen ist, das wird in ihrem Bericht eindeutig benannt. Zuletzt hat sie Erkenntnisse gesammelt, die sie gerne schon vorher gehabt hätte: dass man das Leben und den Tod annehmen muss, und dass die Ermutigung zur Eigenverantwortung im Einklang mit ehrlichen und einfühlsamen Ärzten in vielen Fällen auf dem letzten Weg Erleichterung bringen könnte.
Petra Thorbrietz setzt sich für eine beherzte, gut vorbereitete und organisierte Palliativmedizin ein, in der die Fürsorge für den Todkranken und die Angehörigen nach bestem Wissen heutiger psychosozialer und medizinischer Kenntnisse gewährleistet ist, und der Leidensminderung ein hoher Rang eingeräumt wird. Dazu gibt sie klare und beachtenswerte Denkanstöße. Sie hat das Thema Sterben und Tod bis in die letzten Winkel von Alter, Heim und Suizid aufgegriffen, um gründlich über die Lage in Deutschland zu referieren.
Ob das Lebensende in Würde unter den gegebenen finanziellen, ethischen, rechtlichen und sozialen Bedingungen überhaupt möglich ist, wird weiterhin zu diskutieren sein.