Nach dem misslungenen Attentat Stauffenbergs am 20. Juli 1944 wurden die Familien der beteiligten Wiederstandskämpfer von den Nationalsozialisten verhaftet und in immer wieder neue Gefängnisse und Konzentrationslager verschleppt. Auf diesen Ereignissen beruht die Handlung des Buches "Einundzwanzigster Juli". Über die Durchführung und Planung des Atttentats erfährt der Leser kaum etwas und auch den Namen ‚Stauffenberg‘ sucht man vergebens, da die Autorin auf Wunsch der überlebenden Beteiligten die Namen aller Hauptfiguren geändert hat.
Zur Erzählerin macht Anne C. Voorhoeve eine fiktive Nichte Stauffenbergs. Sie heißt Philippa, ist 14 Jahre alt und wird lieber Fritzi oder auch Klexchen genannt. Zu Beginn des Buches kehrt sie freiwillig aus der sicheren Kinderlandverschickung zu ihrer Mutter in das schon stark zerstörte Berlin zurück. Diese schickt Fritzi auf das Schloss ihrer Eltern, wo sie von dem Attentat erfährt und kurz darauf mit der gesamten Familie verhaftet wird. Nun beginnt die Odyssee durch Europa, die erst mit der Befreiung durch die Alliierten beendet wird. Durch das Buch zieht sich die Auseinandersetzung Fritzis mit den persönlichen Verlusterfahrungen und Konflikten: Der Tod des Bruders, die Abwesenheit des Vaters, das dadurch gestörte Verhältnis zur Mutter und ein durch Rückblenden eingeflochtenes traumatisches Erlebnis während der Kinderlandverschickung. Der Leser kann nachvollziehen, wie Fritzi, die zuerst noch an "Führer" und "Endsieg" glaubt, sich davon langsam distanziert.
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Es scheint unmöglich, das Grauen dieser Zeit in einem Buch zu vereinen. Durch die vielen Ortswechsel der Handlung und die vielen Personen, die Fritzi auf immerhin 342 Seiten trifft, gelingt es Voorhoeve dennoch, eine große Anzahl nationalsozialistischer Verbrechen zu thematisieren. Fritzi kennt die Angst im Luftschutzkeller ebenso wie das Gefängnis, sie riecht die Krematorien Buchenwalds, sieht die Leichenberge in Dachau, die Flüchtlingstrecks, die in Viehwaggons eingepferchten Häftlinge. Sie profitiert vom Netzwerk des Widerstands, sie kennt die SS, die Wehrmacht, den Sicherheitsdienst Himmlers. Schließlich lernt sie auch das Misstrauen und den Hass kennen, der Deutschen am Ende des Krieges unterschiedslos entgegengebracht wurde. Ungewöhnlich ist die Erzählung aus der Sicht von "Ehrenhäftlingen", wie die Sippenhäftlinge zeitweilig genannt werden.
Trotz der Möglichkeit, sich mit der Erzählerin Fritzi zu identifizieren, stört die Aneinderreihung von Ereignissen den Lesefluss. Obwohl mit dem Titel "Einundzwanzigster Juli" wohl angedeutet werden soll, dass es um die Ereignisse nach dem Attentat gehen wird, spielen die ersten gut hundert Seiten noch vor diesem Zeitpunkt. Eine Einführung der Personen und ihre Beziehungen und Konflikte hätte kürzer ausfallen können, wenn die Autorin nicht bereits hier immer wieder neue Schrecken des Krieges kurz anreißen würde. Wer sich an Sätzen wie "Und mein ganzes Ich öffnet und schließt sich augenblicklich um diese Bemerkung, atmet sie ein und lässt sie nicht mehr heraus." (S. 52) nicht stört, dem geben die Gedanken von Fritzi einen individuellen Einblick in die Auswirkungen der Geschehen.
Fazit:
Für jüngere Leser(innen), die bereits einiges über die Zeit von 1933-1945 wissen, wird hier eine neue Sichtweise geboten. Auch als Einstieg in die Thematik denkbar.
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21. Juli 1944. Nichts ist mehr wie es war. Auf Schloss Lautlitz in Württemberg hört Fritzi, dass auf den "geliebten Führer" ein Attentat verübt wurde. Die 14-Jährige ist fassungslos, als sie erfährt, dass ihre Familie an der Verschwörung beteiligt war. Hitlers Staatspolizei schlägt sofort zurück, will sie "ausrotten bis ins letzte Glied". Alle vom Kleinkind bis zur Großmutter werden in Sippenhaft genommen. Doch trotz Angst, Ungewissheit und Todesgefahr beginnt Fritzi zu erkennen, worauf die Verschwörer gehofft hatten: Es gibt ein Danach.