Dies ist die Geschichte von Lick Holden, dem größten Jazzmusiker, den die Geschichte je vergessen hat. Es ist die Geschichte von einem kleinen Jungen, der lernte, mit dem ganzen Körper zu spielen und aus Liebe alles vergaß. Und es ist die Geschichte der Auswirkungen, die ein Leben auf eine ganze Generation haben kann.
Lick Holden lebt in Mount Marter, einer Kleidstadt im Süden Amerikas, in der ein Junge sich über seinen Spitznamen definiert und die Hälfte seiner Kindheit im Jugendknast verbringt. Er sieht seine Geschwister an Armut und Drogen sterben, während er selber das Kornettspielen für sich entdeckt. Das Instrument begleitet ihn durch Höhen und Tiefen der Wilden Zwanziger, während um ihn herum die Flüsterkneipen und Honkytonks aus dem Boden schießen und wieder verschwinden.
Zwanzig Jahre später fliegt eine Londoner Edelprostituierte nach New Orleans, um ihre Wurzeln zu entdecken. Dabei läuft sie zwei Männern über den Weg, dem Schamanen Musa und dem jungen Trinker Jim. Der eine hilft ihr, die Vergangenheit zu begreifen, der andere eröffnet ihr einen Weg in die Zukunft, den sie sich so nie vorgestellt hat. Patrick Neate hat etwas, was die meisten modernen Autoren lange vergessen haben: Die Stimme eines begnadeten Erzählers. Sein Roman liest sich wie die Geschichte, die ein alter Mann nach einer durchgesoffenen Nacht einem Fremden erzählt, faszinierend, ehrlich und voller Schmerz. Seine Sprache lässt sich nicht vergleichen mit dem gewollt schnoddrigen, von Umgangssprache durchsetzten Jugendslang, den viele Autoren bevorzugen. Bei ihm liegen Lachen und Weinen so nahe zusammen wie im wirklichen Leben.
Neate hat darüber hinaus die unglaubliche Gabe, einem Menschen, der nie in seinem Leben Jazz gehört hat, die Musik nahe zu bringen. Aber er tut noch mehr als das, er erweckt eine ganze Epoche zu Leben und verknüpft sie mit der Gegenwart, bis ein komplexes Bild von großer Intensität ersteht. Am Ende weiß man nicht mehr, was man eigentlich gelesen hat. War es ein Buch über Musik? Über "schwarzes Lebensgefühl"? Über Armut und Gewalt? Und vielleicht ist das das Geheimnis an Twelve Bar Blues, es gibt keine Schubladen. Es ist einfach nur ein phantastisches Buch, das - ähnlich wie gute Musik - einen Nerv trifft, der sich jeder Rationalität entzieht.
Fazit: Ein Meisterwerk über Musik, Mythen und Menschen.