Das Zeug zum Autor hat nicht jeder, aber Prediger zu werden kann doch kein Problem sein. Mit dieser Überzeugung im Hinterkopf taucht Sam Springer ab, verlässt seine Ehefrau, die er längst nicht mehr liebt, und reist nach Jacksonville, ins Herz des rassistischen Amerika, wo er als erster Weißer Pfarrer einer Schwarzengemeinde wird.
Schon einmal hat Sam Springer sein Leben ungekrempelt. Er veröffentlichte einen Roman, kündigte seinen verhassten Job als Buchhalter, und nun wartet er auf die Inspiration für sein nächstes Werk. Doch diese bleibt aus, das Geld wird knapp und seine Ehe immer liebloser. Eine groteske Begegnung mit dem Abt eines aufgelösten Klosters bringt abermals die Wende. Kurzerhand lässt Sam sich zum Priester weihen und übernimmt unter dem Namen Deuteronomius Springer eine kleine Gemeinde in Jacksonville.
Die Schwarzengemeinde empfängt den weißen Pfarrer mit Verwunderung, doch auch mit offenen Armen, immerhin war die Stelle schon lange unbesetzt, und auch für die leidenschaftlichen, unkonventionellen Predigten des neuen Pfarrers begeistern sich die Gemeindemitglieder bald. Doch als Springer einen viel beachteten Busboykott inszeniert, schafft er sich Feinde.
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Die schwarze Messe ist ebenso ein Roman über einen Aussteiger wie auch eine Momentaufnahme eines Amerikas, in dem Rassenunruhen an der Tagesordnung sind und in der doch jeder seinen eigenen amerikanischen Traum verwirklichen kann. Diese Diskrepanz zwischen Freiheit und Einengung vollzieht sich in der Figur des Jedermanns Sam Springer, der so lange seine Identitäten wechselt, bis er schließlich keine mehr hat. Er ist Schriftsteller, Abenteurer, Freiheitskämpfer und Prediger, weil er es sein kann.
Abgerundet wird diese skurrile Betrachtung amerikanischer Lebensmodelle durch die weibliche Hauptfigur Merita, eine verheiratete Schönheit, die einem Film Noir entsprungen zu sein scheint und in der sich die Träume des Protagonisten vereinen. Sie kann gleichzeitig Abenteuer und Geborgenheit geben, ist schön, schwarz und anhänglich. Doch es ist das bittere Fazit dieses Romans, das nicht einmal wahre Perfektion befriedigen kann. Am Ende ist Sam Springer das, was er immer war, ein getriebener Verlierer, der sich vor lauter Wahlmöglichkeiten selbst im Wege steht.