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Die Leiden eines Amerikaners PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Birte Ziemann, am 09-10-2008 17:00
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Favoriten 8

Die Leiden eines AmerikanersErik Davidsen ist Psychologe und Psychoanalytiker. Ein Profi darin, Menschen und ihre Situationen objektiv zu betrachten, zu analysieren und ihnen zu helfen. Als sein Vater stirbt, findet er beim Aufräumen seiner Sachen einige alte Briefe und Tagebücher, die ihn und seine Schwester Inga auf die Spur eines lange gehegten Geheimnisses führen.

Überhaupt geht es in Siri Hustvedts neuem Roman sehr viel um Geheimnisse. Alle auftretenden Figuren scheinen welche voreinander zu haben - und alle laufen auf interessante Weise bei Erik zusammen. Dabei wissen wir als Leser genauso viel oder wenig wie der Erzähler Erik. So wie sich ihm langsam die Gefühlswelt seiner Schwester und ihrer Tochter offenbart und wie er langsam das verwirrende und bedrohlich anmutende Beziehungsgeflecht seiner Untermieterin und deren Tochter versteht. Genauso langsam und behutsam lernen auch wir Leser die Figuren besser kennen und verstehen.

Erik versucht, allen Menschen in seiner Umgebung zu helfen - genau wie in seinem Beruf. Im Verlauf dieses Romans muss er allerdings erkennen, dass er nicht immer helfen kann - und dass Hilfsangebote manchmal auch angreifbar und verletzbar machen. So führen seine Hilfsangebote seiner Untermieterin Miranda gegenüber dazu, dass deren Ex-Mann ihn verfolgt und sogar in seine Wohnung eindringt.

Siri Hustvedt hat mit "Die Leiden eines Amerikaners" wieder einen erstklassigen Roman über die inneren Befindlichkeiten einer Familie vorgelegt. Zwar wird das Glück der Familie nicht gar so drastisch gestört wie im Vorgänger "Was ich liebte", doch versucht auch das Personal dieser Erzählung, mit einer Änderung der Lebensumstände gemeinsam umzugehen und fertig zu werden. Wie schon in "Was ich liebte" hat sie dabei nicht gerade die amerikanische Durchschnittsfamilie entworfen und betrachtet - hier wird nicht über belanglose Nichtigkeit diskutiert oder alle paar Seiten einander versichert, wie sehr man sich liebe - bis die Worte zu hohlen Phrasen werden.

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Nein, die Figuren in Hustvedts Roman befassen sich mit den wirklich großen Gefühlen und Herausforderungen des Lebens. Teilweise kommt das ein wenig zu dick aufgetragen daher, teilweise wirkt es ein wenig aufgesetzt. Doch ist es immer gut erzählt in Hustvedts ruhiger, unaufgeregter Art. So schafft sie es, dass man sich tatsächlich mit den Figuren identifiziert, mit ihnen leidet, statt ihnen nur dabei zuzusehen - Schicht um Schicht kommt man mit jedem Geheimnis, das offenbart wird, dem Kern und Innersten der Personen näher.

Große, aufregende Handlungsketten darf der Leser hier nicht erwarten, vielmehr ist "Die Leiden eines Amerikaners" mit Überlegungen über das Leben, die Liebe, das Verarbeiten traumatischer Erlebnisse und die Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen gespickt. Schon durch den Beruf der Hauptperson spielt die Psychologie eine große Rolle, ebenso wie die Philosphie. Viel wichtiger als actionreiche Handlung sind die Innenwelten der Romanfiguren.

Fazit: Siri Hustvedt bleibt ihrer Linie treu - sie schreibt über Familie und das Seelenleben ihrer Figuren - darüber, wie sie ihren Alltag mit den vielfältigen Problemen, die sie haben, meistern. Das klingt in der nüchternen Beschreibung nicht nach viel, aber die Kunstfertigkeit, mit der sie ihre Figuren beschreibt und in ihr tiefstes Inneres vordringt und beinahe nebenbei noch philosophische Grundfragen klärt - das muss man gelesen haben, beschreiben kann man es kaum.


Bibliographische Angaben




Siri Hustvedt
Die Leiden eines Amerikaners
Rowohlt, März 2008
416 Seiten, gebunden, 19,90 Euro
ISBN 10: 3498029851
ISBN 13: 978-3498029852

 

 

 

 

 

 



Letztes Update: 09-10-2008 14:12

Veröffentlicht in : Buch, Belletristik
Schlüsselworte : psychologie, psychoanalyse, elfter september, familienroman, siri hustvedt, was ich liebte, die leiden eines amerikaners
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