Gottes einfacher Mann in Gottes großem Weinberg – das, was der amtierende Papst für sich als Leitspruch ausgegeben hat, das hat sich auch Noah Gordon zu eigen gemacht und in seinem aktuellen Roman "Der Katalane" leitmotivisch umgesetzt. Prinzipell nicht schlecht, sich am Großen zu orientieren und mit der imposanten Bibliografie Gordons im Hinterkopf geht man auch recht vorfreudig auf diesen Text zu.
"Der Katalane" ist ein typischer historischer Roman, wie er im Lehrbuch steht – was anderes hatte man auch nicht erwarten können. Wir befinden uns im Spanien des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Josep, unser Held, ist Sohn eines armen Weinbauern, der seinen Wein zur Erzeugung von Essig anbaut. Josep ist der zweite Sohn und wird deshalb später kein Land erben. Aus diesem Grund lässt er sich zum Soldaten ausbilden. Die Mitglieder seines Ausbildungscorps werden in Barcelona in ein Attentat verwickelt und viele werden als Mitwisser getötet. Josep gelingt die Flucht ins Ausland, er verdingt sich als Tagelöhner auf einen Weingut in Frankreich und schafft es, sich dort zu profilieren. Als sein Vater stirbt, kehrt er in seine alte Heimat zurück. Es gelingt ihm, seinem Bruder, der nichts mit dem Land anzufangen weiß, das Stück Land abzukaufen, und er beginnt sein Ziel einen eigenen guten Wein zu keltern zu verwirklichen.
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Routiniert verquickt Gordon historisch verbriefte Informationen mit einer fiktiven Biografie – handwerklich 1A! Allein, die Prämisse, einen Roman über einen recht einfachen Menschen zu schreiben, zeigt, dass das Leben recht einfacher Männer nicht für historische Schinken genügt, weshalb die Handlung recht schnell im Sande verläuft und gepflegte Langeweile eintritt, die nur durch ausführliche Informationen zum Weinanbau des 19. Jahrhunderts aufgelockert wird. Schade, dass die angedeutete Geschichte mit seinem älteren Bruder nicht wirklich ausgeführt wird. Hier hätte so etwas wie echte Dramatik entstehen können, die aber schnell durchsichtig wird und verebbt. Und auch die politisch schwierige zu Teilen auch unübersichtliche Situation Spaniens dieser Zeit bleibt eigenartigerweise zu sehr im Hintergrund. Auch hier hätte man viel mehr machen können, schließlich ist Josep der einzige Zeuge des Mordes an Spaniens Ministerpräsidenten.
Wer also mal eine nette Geschichte über einen Mann lesen will, der morgens bei Sonnenaufgang aufsteht, danach sein Land bestellt, ab und an mal neue Holzfässer besorgt und bei Sonnenuntergang wieder schlafen geht, wer etwas über das aufregende Dorfleben des 19. Jahrhunderts erfahren will oder wer einfach jeden Noah Gordon-Roman lesen muss, der sollte hier zugreifen!
Zugreifen sollten auch all diejenigen - zumindest beim Hörbuch, denen die Stimme Christian Brückners gefällt. Zwar passt er seine Lesung an den unaufgeregten Charakter des Buches an, doch gelingt es ihm immer wieder Akzente zu setzen und dem Buch etwas mehr Dramatik und Spannung einzuverleiben.
Noah Gordon Der Katalane. Gelesen von Christian Brückner
Random House Audio, August 2008
6 Cds (ca. 420 Minuten)
ISBN-10: 3866048009
ISBN-13: 978-3866048003
Preis: EUR 24,95