Anne Chaplets neues Buch behandelt Nachwehen der Hippie Generation und deren Aufprall auf Deutschlands biedere Nachkriegsbevölkerung. Aber es ist auch ein recht gelungener Kriminalroman, gespickt mit Verdächtigungen und Gegenbeschuldigungen, Geheimnissen und deren Aufklärung.
Die Hauptperson, Sophie Winter, ist eine alleinstehende Frau, Anfang sechzig, die als Erstlingswerk einen Erfolgsroman über den Sommer 1968 geschrieben hat. Ihren Sommer von 1968.
Als sie dann, 40 Jahre später, von den Erlösen des Buches, das Haus kauft, in dem sie damals gelebt hat, brechen bei ihr und der Bevölkerung die alten Wunden wieder auf. Alles ist wieder wie damals, und doch ganz anders.
Einer der heutigen Bewohner, Paul Bremer, beginnt sich Sorgen zu machen. Um Sophie Winter, um das Dorf, um einen verschwundenen 12jährigen Jungen und um sich.
Seine Freundin, Karen Stark, eine Frankfurter Staatsanwältin, schaltet sich in den Fall ein, nachdem sie von einem Kriminalbeamten, Giorgio DeLange, gebeten wird eine alte Akte aus der gleichen Zeit freizugeben. Ein Fall der nie gelöst wurde, aber im gleichen Ort stattfand, der auch jetzt wieder in den Mittelpunkt des Geschehens rückt.
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Gemeinsam erleben sie, wie sich die damaligen Ereignisse Bahn brechen und mit den heutigen verquicken. Und wie sehr sich doch die Zeiten gleichen.
Die Mauer des Schweigens, die von allen Beteiligten aufrecht erhalten wird bröckelt nur langsam und die Wahrheit kommt nur scheibchenweise ans Licht.
Anne Chaplet lässt, nach einer detailliert beschriebenen Reise von Regentropfen durch ein Gebäude, viele Handlungsstränge ineinander laufen, die isoliert voneinander beginnen, genau wie die Regentropfen im ersten Kapitel. Das macht das Lesen des Buches nicht gerade einfach. Man fühlt sich zeitweise überfordert und fürchtet den Überblick zu verlieren. Wohltuend in diesem Zusammenhang sind die kurzen Kapitel, die parallelen Handlungen voneinander abgrenzen und dafür sorgen, das der Leser doch nicht den Überblick verliert. Die fesselnde Schreibweise sorgt für ausreichende Spannung und der Stoff der Handlung garantiert ein unterhaltsames Vergnügen.
Eingefleischte Krimifans sind vielleicht ein wenig enttäuscht über die magere Ausbeute an wirklichen Straftaten im Buch, aber es muss ja auch nicht immer gleich Blut fliessen.
Wer sich für Bücher über das Verhalten von Menschen in schwierigen Situationen oder über die Verwirklichung von Lebensträumen interessiert, liegt mit dem Roman genauso richtig wie die Freunde der spannenden Unterhaltung.
Die Handlung bezieht sich zwar fast ausschließlich auf Hessen, aber bis auf wenige Detail aus dem Frankfurter Polizeimuseum und Ortsdetails könnte sich die Handlung genau so auch in vielen anderen Gegenden Deutschlands zugetragen haben. Kein Grund also, warum nicht ortskundige das Buch meiden sollten.
Und ähnlich wie die bereits erwähnten Regentropfen, findet am Schluß alles zusammen, was zusammen gehört und sammelt sich am tiefsten Punkt – dem gemeinsamen Verstehen.