Lieben Sie Kriminalromane bei denen die Guten triumphieren und die Bösen ihrer gerechten Bestrafung zugeführt werden? Dann lassen Sie dieses Buch besser im Regal stehen. Eine wirklich positive Identifikationsfigur finden Sie hier nicht. Denn die in diesem Roman agierenden Kriminellen haben aber auch schon gar nichts von edlen Outlaws an sich. Vielmehr sind sie skrupellos, geldgierig, brutal wenn es ihren Zwecken dient und berechnend im Umgang mit ihren "normalen" Mitmenschen.
Dieser Krimi noir ist der letzte von sechs Romanen um den Berufsverbrecher Wyatt - Typ "einsamer Wolf", gerissen, immer wachsam bis an die Grenzen der Paranoia mit einer langen Vergangenheit aus Raubüberfällen, raffinierten Diebstählen und Betrugsdelikten. Wenn gar kein anderer Ausweg bleibt, ist auch schon mal ein Mord drin. Gefühle lässt er nur zu, wenn sie beim "Geschäft" nicht stören und seine Sicherheit nicht gefährden. Er kehrt gerade von einem Segeltörn zurück, bei dem er von einem korrupten Polizisten eine wertvolle Schmucksammlung erbeutet hat und eine Liaison mit der ermittelnden Polizeibeamtin hatte. Auf deren Angebot, sich zu stellen und nach Verbüßung seiner Strafe eine gemeinsame Zukunft zu beginnen, reagiert er, indem er ihr ein Narkosemittel verabreicht und sich davonmacht, um auf die Suche nach einem Hehler für die Juwelen zu gehen.
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Ein weiterer Protagonist ist Raymund - "Ray" - Wyatts Neffe, der seinen Onkel bewundert und ihm nacheifert. Als „Buschbandit“, wie ihn die Presse nennt, hat er kürzlich eine bisher erfolgreich verlaufende Karriere als Bankräuber in den ländlichen Regionen Australiens begonnen. Noch fehlt ihm jedoch das Format seines Verwandten, vor allem macht ihm seine unkontrollierte Spielsucht zu schaffen. Gerade ist deshalb auch mal wieder Ebbe in seiner Kasse, als er das lukrativ erscheinende Angebot erhält, bei einer illegalen Schatzbergung finanziell einzusteigen. Die dafür nötigen Geldmittel sollen durch einen Kunstraub - für den er die Unterstützung und den Sachverstand seines Onkels benötigt - und durch die Mithilfe bei einer Gefangenenbefreiung beschafft werden. Bei dem zu befreienden Häftling handelt es sich um den Schwerstkriminellen Steer, der mit Wyatt noch eine Rechnung offen hat, die unbedingt beglichen werden soll, bevor er sich ins Ausland absetzen will. Für Steer gibt es nur eine Form der Argumentation und das ist kalt und brutal eingesetzte Gewalt. Einzig seiner Fluchthelferin – einer ihm hörigen Gefängnispsychologin – schenkt er seine Zuneigung.
Alle weiteren Romanfiguren von Relevanz sind entweder ebenfalls Verbrecher oder Polizisten; allerdings solche, von denen der harmlose Normalbürger nicht unbedingt beschützt werden möchte. Eine Ausnahme stellt einzig Wyatts Polizistengeliebte Liz Redding dar, deren anfänglich integre, gesetzesloyale Haltung jedoch dem Druck der gegen sie eingeleiteten internen Polizeiermittlungen nicht standhält. Von ihrem Chef wegen ihrer Beziehung zu Wyatt mit sadistischer Rachsucht verfolgt, wechselt sie die Fronten und macht sich wieder auf die Suche nach Wyatt, dieses Mal allerdings, um sich ihm anzuschließen.
Die Story erzählt die Erlebnisse seiner Figuren als anfänglich parallel verlaufende Handlungsstränge, die sich später jedoch immer häufiger kreuzen, bis sie zum finalen Showdown aufeinander zu rasen. Logisch, dass die dann erfolgende Kollision nicht alle überleben werden. Die Spannung, die der Autor dabei aufbaut, ist so beklemmend, dass es dem Leser einiges an Disziplin abverlangt, um nicht eben mal auf den letzten Seiten nachzulesen.
Wenn auch Sie wissen wollen, ob Wyatt wieder mal davonkommt, oder ob das Ende der Romanreihe auch sein Ende bedeutet, lassen Sie sich diesen mitreißend geschriebenen Krimi nicht entgehen.