Bei der Namensgebenden "Kammer" aus dem Titel handelt es sich nicht um einen Teil des organischen Herzens, sondern um ein Herzstück der hessischen Wirtschaft und des Gewerbes - der Industrie- und Handelskammer der Stadt Kassel. Sollte eine biedere Organisation zu deren Statuten unter anderem das "Hinwirken auf die Wahrung von Anstand und Sitte des ehrbaren Kaufmanns" gehört, tatsächlich dass Potential besitzen, als Bühne für einen spannenden Kriminalroman zu dienen? Und ob !
Die Story beginnt ohne Umschweife mit der drastisch geschilderten Erhängung eines Justiziars der IHK namens Goldberg im winterlichen Wald durch zwei russische Berufskiller. Einen Gebrauchtwagenhändler der wegen mangelhafter Beratung durch Goldberg Konkurs anmelden musste, und somit über ein Motiv für einen Mord verfügt, ermorden sie ebenfalls gleich mit und verscharren die Leiche, um so dessen Flucht vorzutäuschen und den Verdacht auf ihn zu lenken.
Der ermittelnde Hauptkommissar Lenz schluckt auch anfänglich den Köder, gerät bei seinen Nachforschungen jedoch schon bald an einen russischstämmigen, offensichtlich sehr erfolgreichen Jungunternehmer, der intensive Beziehungen zu hochrangigen Mitarbeitern der IHK und einflussreichen Lokalpolitikern unterhält. Genauso intensiv scheinen aber auch seine Verbindungen zum organisierten Verbrechen zu sein.
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Die polizeilichen Recherchen geraten immer wieder ins Stocken, da wann immer potentielle Zeugen oder Verdächtige auftauchen, diese kaltblütig ermordet werden, bevor sie sich zur Aussage bereit erklären können. Die Täter schrecken nicht einmal davor zurück, selbst den Hauptkommissar eines Nachts zu überfallen und mit einer Paintballwaffe auf ihn zu feuern.
Aber auch diese als letzte Warnung gemeinte Scheinhinrichtung hält ihn nicht davon ab, beharrlich nach den Hintermännern zu forschen.
Abgesehen von der, selbst im Umfeld der Russenmafia erstaunlich hohen, Anzahl an Tötungsdelikten ist dem Autor ein logisch schlüssiger und - vor dem Hintergrund aktueller politischer und wirtschaftlicher Korruption - glaubhafter Wirtschaftskrimi gelungen. Die Figur des, außer gegen das Verbrechen auch gegen seine Nikotinsucht kämpfenden, Hauptkommissars Lenz wirkt sehr authentisch und ist, ebenso wie alle anderen Charaktere, facettenreich und bildhaft dargestellt.
Fazit: Der Krimi enthält alle Zutaten, die ein Buch dieses Genres benötigt – schwere Jungs, eine deftige Portion Gewalt, sympathische Ermittler mit menschlichen Schwächen, Realitätsbezug, falsche Spuren und eine pikante Prise Sex durch die heimliche Affäre des Hauptkommissars mit der Frau seines Oberbürgermeisters. Unter die ganz Großen der Kriminalliteratur gehört der Band sicher nicht, dazu mangelt es an der Subtilität einer Patricia Highsmith oder eines Henning Mankells. Gelungen ist dem Autor jedoch ein deutlich über den Durchschnitt herausragender, spannender Krimi, der den Leser bis zur letzten Seite zu fesseln weiß und somit das Zeug zum Bestseller haben könnte.