Der Wagen von Commissario Ferrara geht auf dem Weg zur Arbeit in einem Feuerball auf. Der Fahrer stirbt, er selbst überlebt wie durch ein Wunder, während in der Presse die Spekulationen aufflammen: Taliban? Mafia? Politikum oder privater Racheakt? Die Augen der Öffentlichkeit richten sich auf den kürzlich inhaftierten Mafiaboss Salvatore Laprua.
Ein Bombenattentat erschüttert Florenz. Während Commissario Ferrara schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert wird, ermittelt die Polizei auf Hochtouren. Bald kristallisieren sich zwei Spuren heraus. Entweder könnte es sich um einen islamistisch motivierten Terroranschlag handeln, oder es steckt die Mafia dahinter. Insbesondere letztes scheint möglich, immerhin ist der berüchtigte Mafiaboss Salvatore Laprua erst vor kurzem verhaftet und anschließend im Gefängnis vergiftet worden.
Ferraras deutsche Ehefrau ist entsetzt, als ihr Mann sich selbst aus dem Krankenhaus entlässt und sich sofort mit den Ermittlungen befasst. Sie ist sicher, dass er in höchster Gefahr ist, zumal ein zweites Bombenattentat die junge Staatsanwältin das Leben kostet. Dass sie selber zum Faustpfand eines brutalen Machtkampfes innerhalb der Mafiastrukturen werden wird, ahnen weder sie noch ihr Mann, ebenso wenig wie die Tatsache, dass es einen Verräter zu geben scheint.
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Dass Michele Giuttari weiß, wovon er schreibt, ist unverkennbar, immerhin war er selber bei der Polizei von Florenz beschäftigt, und die Strukturen, die er beschreibt, sind ihm bestens vertraut. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum sich sein Roman Rachefeuer beinahe dokumentarisch liest. In sehr kurzen, bisweilen nur einige Seiten langen Kapiteln entwirft er eine Geschichte um Macht und Terror, in der die handelnden Figuren zwar nicht untergehen, nicht aber die tragende Rolle spielen.
Stattdessen stehen die Ermittlungen im Vordergrund, die Ferrara ebenso wie den Leser immer tiefer in die Strukturen der Mafia hineinführen. Differenziert setzt sich der Autor mit diesem Phänomen auseinander, das bei vielen immer noch zwiespältige Reaktionen auslöst. Natürlich weiß man, wie brutal und grausam diese Organisation ist, doch einen Hauch von Romantik und Faszination hat sie sich eben seit "Der Pate" auch bewahrt. Diesem Zwiespalt wird auch in Rachefeuer Rechnung getragen.
Obwohl der Autor weit von einer Verherrlichung entfernt ist, fehlt doch auch die Abrechnung des Ermittlers mit den Verbrechern. Neutral werden die Figuren – die nach Macht strebenden Bosse, ihre Ehefrauen und ihre Gefühle und Wünsche – vorgestellt und das Urteil wird den Lesern überlassen. So entsteht ein Roman, der bei aller Distanz und Sprödigkeit durch Intelligenz und Glaubwürdigkeit in seinen Bann zieht.
Fazit: Intelligenter Mafiathriller von einem Insider