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125-Geburtstag Joachim Ringelnatz PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Lydia Taylor, am 07-08-2008 11:00
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125-Geburtstag von Joachim Ringelnatz (07.08.1883 - 17.11.1934)

Der berühmt humoristischer Essayist, Lyriker, Maler und Lebenskünstler wäre heute 125 Jahre alt geworden. Sein bürgerlicher Name lautete Hans Bötticher. Bevor er ab 1919 als Joachim Ringelnatz bekannt wurde, verwendete er auch folgende Pseudonyme: Pinko Meyer, Fritz Dörry, Gustav Hester.

Joachim Ringelnatz wurde am 7. August 1883 als Hans Bötticher in Wurzen/Sachsen geboren und wuchs in einem künstlerischen und liberalen Elternhaus  auf. Von frühster Kindheit an gehörten das Dichten, Schreiben und Zeichnen zu seiner Freizeitbetätigung. Die Schulzeit allerdings ist Ringelnatz stets in unangenehmer Erinnerung geblieben. Das Gymnasium in Leipzig besuchte er nur bis zur Sekunda. Danach besucht er für einige Jahre eine Privat-Realschule, die er 1901 mit dem Einjährigen-Freiwilligen-Examen (Obersekundareife) verlässt.1901 erfüllt sich für Ringelnatz der lang ersehnte Traum von der Seefahrt, als ihm sein Vater eine Lehrstelle als Schiffsjunge auf dem Segelschiff „Elli“ verschafft. Er bereist beinahe die halbe Welt. Seine Erlebnisse zur See hält er 1910/1911 im "Schiffsjungen-Tagebuch" schriftlich fest.

Kabarettist, Maler und Schriftsteller
1909 startet Ringelnatz seine Dichterkarriere in dem Künstlerlokal „Simplicissimus“ in München-Schwabing, wo er eigene Verse vorträgt und schließlich zum Hausdichter avanciert. Zwischen 1910 und 1934 verfasste Joachim Ringelnatz knapp 20 Bücher: zahlreiche Gedichtbände, zwei Autobiografien, Romane, Bühnenstücke und Kinderbücher. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wird er zur Kriegsmarine einberufen. Nach dem Krieg erlebte der 35jährige eine schwere Zeit, die von Armut, Hunger und anderen Entbehrungen geprägt ist. Ende 1919 wird aus Hans Bötticher schließlich Joachim Ringelnatz. Unter diesem Pseudonym veröffentlichte er von nun an seine Werke als Dichter und Maler. 1920 erhält er ein Engagement an der Berliner Kleinkunstbühne „Schall und Rauch“ und begibt sich auf mehrere Kabarett-Touren durch ganz Deutschland. Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 wird sein Leben als Künstler und Schriftsteller abrupt beendet. Die Bücher von Ringelnatz werden auf den Index gesetzt und er erhält Bühnenverbot. Am 17. November 1934 stirbt der Dichter und Maler, völlig verarmt, an Tuberkulose in seiner Berliner Wohnung.

Werke u.a.

1911 Was ein Schiffsjungen-Tagebuch erzählt
1912 Die Schnupftabakdose. Stumpfsinn in Versen und Bildern von Hans Bötticher und
         Richard Seewald
1913 Ein jeder lebt’s. Novellen von Hans Bötticher
1920/23 Joachim Ringelnatzens Turngedichte
1920 Kuttel Daddeldu
1922 Die Woge. Marine-Kriegsgeschichten
1924 ...liner Roma...Mit 10 Bildern von ihm selbst
1924 Nervosipopel. Elf Angelegenheiten
1927 Reisebriefe eines Artisten
1928 Als Mariner im Krieg (unter dem Pseudonym Gustav Hester)
1928 Matrosen. Erinnerungen, ein Skizzenbuch, handelt von Wasser und blauem Tuch
1929 Flugzeuggedanken
1931 Mein Leben bis zum Kriege (Autobiographie)
1931 Kinder-Verwirr-Buch mit vielen Bildern
1932 Die Flasche und mit ihr auf Reisen
1932 Gedichte dreier Jahre
1933 103 Gedichte
1933 Großer Vogel

Aus dem Lyrikwerk


Ich habe dich so lieb

Ich habe dich so lieb!
Ich würde dir ohne Bedenken
Eine Kachel aus meinem Ofen
Schenken.

Ich habe dir nichts getan.
Nun ist mir traurig zu Mut.
An den Hängen der Eisenbahn
Leuchtet der Ginster so gut.

Vorbei - verjährt -
Doch nimmer vergessen.
Ich reise.
Alles, was lange währt,
Ist leise.

Die Zeit entstellt
Alle Lebewesen.
Ein Hund bellt.
Er kann nicht lesen.
Er kann nicht schreiben.
Wir können nicht bleiben.

Ich lache.
Die Löcher sind die Hauptsache
An einem Sieb.

Ich habe dich so lieb. 




Letztes Update: 11-08-2008 10:32

Veröffentlicht in : Magazin, Kulturnews
Schlüsselworte : Joachim Ringelnatz, Humoristische und groteske Dichtung, Lyrik, Deutsche Literatur,
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