Über die Abgründe des Menschen am Beispiel eines Sonderlings. Seit den sechziger Jahren haben sich bei Studenten und jungen Leuten Wohngemeinschaften etabliert. Man teilt sich die Miete, das Essensgeld und die Hausarbeit und lebt unter seinesgleichen. Natürlich bleibt das Zusammenleben in diesen Wohnformen nicht immer ohne Reibereien.
Robert, der Ich-Erzähler dieses Romans, hat es geschafft: mit einem Freund und zwei Frauen bewohnt er eine WG. Er ist Programmierer, verdient am meisten und ist der Hauptmieter.In der WG der Freunde erscheint eines Tages ein sonderbarer Mensch: er hat nichts, braucht nichts und will doch gleich in die kleine Kammer neben der Tür einziehen, die für die WG bisher nur Ballast beherbergt hat. Der gerade anwesende Hausfreund R.M. nimmt den neuen Gast in Augenschein. Er bescheinigt den Vermietern, insbesondere seinem Freund Robert, dass der Neue nicht ganz dicht ist, Cit: "Der hat einen Knick in der Folie. Wenn ihr den nehmt, könnt ihr gleich eine Klinik auftun!". Sie wären schlecht beraten, wenn sie ihn in die WG aufnähmen. Unverdrossen aber wollen es die Mitglieder mit Stehle, so heißt der Neue, versuchen. Stehle bezieht eine Kammer, die bis dahin voll gemüllt war, und als alternativer Zeitgenosse ist ihm das Zimmerchen gerade recht. Er bringt einen Anorak und eine Zahnbürste mit. Alles Weitere ergibt sich!
Sehr subtil und unscheinbar erkennen die anderen, dass da in der Tat ein Sonderling neu eingezogen ist. Jeans und Pullover der anderen sind häufiger einfach verschwunden, oder sie haben in der Waschmaschine ihre Form verloren. An Roberts Computer hat sich jemand zu schaffen gemacht, und auf einer Party verlustiert sich Stehle mit der polnischen Küchenhilfe. Dann zerbricht die ganze WG und Robert findet eine Wohnung für sich, klein, überschaubar und ganz auf seine Bedürfnisse zugeschnitten.
Man höre und staune: als Robert zufällig Stehle in einem Supermarkt trifft, lässt er sich erneut mit ihm ein, und dann hat er ihn endgültig am Hals, und die Geschichte geht erst richtig los. Stehle zieht, wieder einmal vorgeblich, nur für einige Tage bei ihm ein. Die Eskapaden von Stehle weiten sich aus bis hin zur Wohnungsbesetzung, in die Robert eines Tages nicht mehr herein kann, weil alle Möbel vor der Eingangstür gestapelt sind.
Andreas Münzner beschreibt mit schwarzem Humor ein Stück Psychogeschichte, die man womöglich selber erleben könnte. Der verrückte Stehle denkt sich Geschichten aus, erfindet seine Vita, die immer wieder anders klingt, lacht, ist munter, aber wovon er eigentlich lebt, das bleibt allen ein Rätsel!
Er stellt Roberts Welt auf den Kopf mit seinen verrückten Ideen, setzt sich in dessen Wohnung mitsamt seiner Freundin fest, nimmt alles nicht so ernst, und bleibt dabei ein lustiger, sich über alle Regeln des Zusammenlebens hinwegsetzender Zeitgenosse. Armer Robert! Teils mit Humor, teils resigniert geht er allen Verrücktheiten auf den Leim, bis er am Ende selber nicht mehr weiß, wo er eigentlich steht.
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In der Geschichte mischen sich Wahrheit und Fiktion, und in ihr findet man den ganz normalen Alltagswahnsinn, den es in der heutigen Zeit und vielleicht zu allen Zeiten schon oft gab und gibt. Die Aussteigermentalität und das tägliche zu beobachtende Stalking spiegeln unseren Alltag treffend wider. Hier findet man die Verrücktheiten unseres Alltags mit ihren unterschiedlichen Gesichtern zusammen gedrängt, skurril, witzig und zuweilen unheimlich. Roberts Welt wird auf den Kopf gestellt. Er kann sich den Verrücktheiten nicht entziehen, hat sogar zuweilen selber Spaß am Mitspielen, und pendelt doch zwischen seiner Welt der Normalität und jener der Absurdität hin und her. Ein hoch aktueller Roman, teils Science-Fiction, teils der Realität abgeschaut, auf jeden Fall amüsant und gruselig zu gleich. Der Autor Andreas Münzer ist in den USA geboren, lebt heute in Hamburg und wurde bereits vielfach ausgezeichnet.