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Die Superhelden PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Marion Lenke, am 05-08-2008 11:30
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CosplayDie Kunstformen Comic, Animee und Manga haben sich längst einen festen Platz in der deutschen Buchlandschaft gesichert. Kein Wunder, denn die gezeichneten Helden haben nicht nur besondere Kräfte, sie sind auch schön, immer tapfer und Gewinner im Kampf gegen das Böse. Trotzdem mutet es zunächst seltsam an, ihnen in persona zu begegnen.

Da stöckelt Alice zwar nicht durch das Wunderland, dafür aber auf hohen Absätzen, an einem vorbei. Gleichzeitig versucht sich Link, der Held aus dem Nintendospiel Zelda, an einem neuen Stück auf der Flöte und Sailor Moon wirft sich für die Fotografen in Pose. Ein seltsames Bild, aber eines, das sich uns auf Comic-Messen und Ausstellungen immer häufiger bietet.

Denn im Zuge der Mangabegeisterung ist ein neuer Trend aus Japan herüber geschwappt. Die Verkleidungskunst Cosplay, kurz für Costume play, begeistert seit den 90er Jahren in Deutschland Animee- und Mangafans. Ziel des Cosplays ist es, eine Figur aus dem Genre möglichst originalgetreu nachzustellen.
 
Noch ist das deutsche Cosplay hauptsächlich auf die Szene-Öffentlichkeit beschränkt. Auf sogenannten Cons (kurz für Conventions) treffen die Cosplayer zusammen, um in selbstgeschneiderten Kostümen –gekaufte Kleidung gilt als verpönt- und mit aufwändig geschminkten Gesichtern, eine Imitation ihrer Comichelden zu liefern. Ca. 200 Euro und monatelange Arbeit investieren die Cosplayer, um ihrem Idol möglichst ähnlich zu sehen. Ein gutes Cosplay geht jedoch über die äußere Erscheinung hinaus, denn es bedarf auch des Wissens um die dargestellte Figur und der Fähigkeit diese glaubwürdig nachzuahmen. Cosplay ist, im Unterschied zu herkömmlichem kostümierten Fandom, nicht nur Verkleidung, sondern auch Rollenspiel.

Diese Verbindung aus Kreativität, schauspielerischem Talent und Kenntnis der Mangawelt steht vor allem bei Cosplay Meisterschaften auf dem Prüfstand. Der größte Wettbewerb hierzulande ist die deutsche Cosplaymeisterschaft. Diese kürt jährlich in einem großen Finale auf der Frankfurter Buchmesse den besten deutschen Cosplayer. Um den Titel zu gewinnen, müssen die Teilnehmer in vier Kategorien bestehen. Zunächst werden sowohl die Machart des Kostüms als auch die Ähnlichkeit des Charakters mit dem Original eingehend geprüft. Hier wird sehr viel Wert auf das Detail gelegt, denn schon kleine Abweichungen führen zum Punktabzug. Viel entscheidender sind jedoch die anschließende Performance und die Reaktion der Zuschauer. Maximal zwei Minuten stehen den Teilnehmern zur Verfügung, um Jury und Publikum von ihrer Kunst zu überzeugen. Die Darbietungen reichen von Monologen und humoristischen Einlagen über Gesang und Tanz, bis hin zu nachgestellten Schwertkämpfen. Dem Gewinner winkt eine einwöchige Reise nach Japan, die es ihm ermöglicht, das Cosplay in seinem vollen Wirkungsfeld zu erfahren.

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Denn während das Cosplay in Deutschland oft noch als Teil einer Subkultur belächelt wird, hat es sich in seinem Mutterland Japan schon längst etabliert. Auf der  Harajuku-Brücke in Tokyo treten jede Woche hunderte von Cosplayern zum öffentlichen Schaulaufen an. Hier ist jeder bunt, kreativ und vor allen Dingen auffällig.

Die erfolgreichsten Cosplayer Japans haben fast den Status von Popstars erreicht. Ihre Popularität reicht soweit, dass sie Fanpost erhalten und auf Idol-Cards (Sammelkarten) verewigt werden. Manga und Animee boomen eben. Und so ist es kein Wunder, dass auch das Cosplay in Japan längst kommerzialisiert ist. Neben bezahlten Auftritten wird die Verkleidungskunst beispielsweise in den sogenannten Maid Cafes vermarktet. In diesen Cosplay-Restaurants dürfen sich die Gäste von kostümierten Kellnerinnen bedienen lassen und, gegen Aufpreis, ein Foto ihres Lieblingscharakters mit nach Hause nehmen. Auch die japanische Clubszene hat den  Cosplay Markt für sich erschlossen. Einige Discotheken veranstalten regelmäßig Treffen und Costume Dance Partys. Die größten dieser Veranstaltungen ziehen meist über 1000 Besucher an.

In Deutschland präsentiert sich das Cosplay mit seinen rund 5000 Mitgliedern noch sehr viel bescheidener. Hier schlüpft vor allem die Jugend gerne in die Haut von Superhelden. Und ruft damit bei Außenstehenden häufig Verwunderung hervor. Denn aus welchem Grund sollten Jugendliche ihre Freizeit mit bizarr geschminkten Gesichtern in merkwürdigen Kostümen verbringen wollen? Ist es der pure Spaß am Verkleiden? Das Gefühl unkonventionell zu sein? Oder ist es, in der Anonymität des Kostüms und mit einem „Hug me“-Schild, das Gleichgesinnte zum Knuddeln auffordert, einfacher Kontakte zu knüpfen? Oder treibt die Cosplayer das Bedürfnis, für eine Weile in einer Scheinwelt abzutauchen und Phantasie Realität werden zu lassen? Die richtige Antwort dürfte wohl irgendwo dazwischen liegen. 

Vielleicht ist es aber auch schlichtweg schön, sich einmal auf der Bühne feiern zu lassen. Denn das ist ja das tolle am Cosplay: Hier kann eben jeder ein Superheld sein – man muss nur Held genug sein, es zu wagen.

 



Letztes Update: 05-08-2008 17:30

Veröffentlicht in : Magazin, Kulturnews
Schlüsselworte : Cosplay, Comic, Manga, Animee, Japan, Superhelden, Verkleidungskunst
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