Im israelischen Auffanglager ist es Nuris brennendster Wunsch, endlich in einen Kibbuz aufgenommen zu werden. Doch als der Wunsch endlich Wirklichkeit wird, muss der Junge erkennen, dass auch hier nicht nur Milch und Honig fließen. Zwischen Auflehnung und Anpassung erlebt Nuri die schwierigsten doch auch die schönsten Jahre seines jungen Lebens.
Nuris Familie kommt aus Bagdad nach Israel, um auch einen Stück vom großen Kuchen abzubekommen. Doch zunächst endet ihre Reise ins gelobte Land im Auffanglager. Der jüngste Sohn Nuri kommt endlich mit ein paar anderen irakischen Jugendlichen in die Jugendgruppe eines Kibbuz. Unter der Anleitung der begeisterten Kibbuzmitbegründerin Sonja lernen die jungen Leute eine ganz neue Welt kennen.
Doch die neuen Eindrücke wecken neben Neugier auch Nuris Widerspruchsgeist. Mit seinen Altersgenossen organisiert er Demonstrationen gegen bestimmte Arbeiten und Verhaltensweisen, die seiner Meinung nach unvereinbar mit seiner Herkunft sind. Insbesondere die "sabres", die Kinder der in Israel oder Palästina geborenen Kinder, werden bald zu Antagonisten, die gleichermaßen beneidet und abgelehnt werden. Erst als Nuri sich in eine europäische Einwandererin verliebt, ändert sich einiges in seinem Leben.
Im Schatten der Orangenhaine vereint gleich zwei Themen von großer Aktualität und Sensibilität: Die diffizilen Konflikte der verschiedenen Rassen in Israel und das individuelle Heranwachsen eines Jungen, der seine Wurzeln verloren hat. Im Spannungsfeld zwischen Altem und Neuem muss er einen eigenen Weg finden. Dabei wird er nicht nur von seinen Hormonen, seiner jugendlichen Verwirrung und der Trennung von seiner Familie beeinflusst sondern auch durch einen tiefer gehenden Zwiespalt, ob er der irakischen Tradition seiner Herkunft folgen will oder den Ansprüchen Sonjas, die versucht, ihn vollkommen in das Leben des Kibbuz zu integrieren.
Mit dieser Thematik legt der Roman einen Finger auf eine besondere Wunde im Zeitalter des Terrorismus. Wie können verschiedene Rassen und Glaubensgemeinschaft nebeneinander existen? Wie kann man trotz allem Frieden halten? Doch die besondere Stärke des Romans liegt darin, dass die Erzählung sich trotz allem nicht in Problemen und Tiefsinnigkeit verliert. Immer wieder scheinen die alltäglichen Probleme eines normalen Teenagers durch, der Feten feiert, Mädchen nachstellt und nichts lieber mag, als gegen seine Lehrer zu rebellieren. Und das ganz ohne politische Hintergedanken.
Fazit: Authentischer Roman über eine schwierige Jugend
Über den Autor:
Eli Amir wurde 1937 in Bagdad geboren und emigrierte in den 50er Jahren nach Israel. Er war als persönlicher Referent von Schimon Peres und Berater von den Friedensverhandlungen von Golda Meir und Jitzchak Rabin tätig. Heute lebt er in Jerusalem und lehrt an der Ben-Gurion-Universität. Mit seinem Debütroman Der Taubenzüchter von Bagdad begeisterte er nicht nur ein breites Publikum sondern gewann auch mehrere Literaturpreise.