Als die junge Johanne dem tief gläubigen Theodor Fliedner gegenübersteht, weiß sie, dass dies eine Liebe fürs Leben ist. Dennoch ist sie nicht bereit, sich an den unbeugsamen Mann zu binden. So lebt sie ein Leben des Verzichts, etwas, das ihre viel jüngere Schwester Catharine nicht verstehen kann. Auch sie findet die Liebe bei einem überzeugten Protestanten, und sie ist nicht gewillt, die Fehler ihrer Schwester zu wiederholen.
Johanne stammt aus einfachsten Verhältnissen, der Vater säuft, die Mutter jammert, und als sie in fortgeschrittenem Alter noch einmal schwanger wird, bleibt es Johanne überlassen, die viel jüngere Schwester Catharine aufzuziehen. Ihr einziger Lichtblick sind die Besuche des neuen Pfarrers Fliedner, der sie in seiner Frömmigkeit und Aufrichtigkeit tief beeindruckt. Doch als er sie um ihre Hand bittet, scheut sie vor einem Leben als Pfarrersfrau zurück. Als seine Vertraute hilft sie ihm beim Aufbau des Diakonissenwerks und anderer wohltätiger Einrichtungen.
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Catharine wählt einen andern Weg, auch sie verliebt sich hoffnungslos und zwar in Gustav, einst Fliedners Schüler, später leidenschaftlicher Sozialdemokrat und Revolutionär. Obwohl Gustav ihr sagt, dass es in seinem Leben keinen Platz für Ehe und Familie gibt, bleibt ihm Catharine als seine Geliebte und Vertraute zeitlebens verbunden. Die Schwestern entfremden sich voneinander, doch ein endgültiger Bruch kommt nicht infrage, denn da gibt es noch ihre Ziehtochter Magdalena, die dritte im Bunde, die sich in einen Mann verliebt, dem sie nicht ganz gehören kann.
Die Protestantin bedient gleich zwei Kategorien von Leserinnen, die einen sind die, die sich für breit angelegte Historienromane interessieren, den anderen liegt eher an der Darstellung ungewöhnlicher Frauenschicksale. Beide werden bedient, und beide dürfen sich auf die eine oder andere Abweichung vom Schema freuen. Zum einen ist da die Ausgestaltung des Settings. Der Bogen reicht über mehrere Jahrzehnte und präsentiert eine interessante Mischung aus fiktiven und historischen Figuren. So steht über weite Teile der Begründer des Diakonissenwerks, Theodor Fliedner, im Mittelpunkt, und der Leser erfährt viel über die Arbeit dieses visionären und doch schwierigen Mannes.
Doch auch die Freundinnen starker Frauengestalten dürfen sich auf interessante Facetten freuen, denn die drei Heldinnen, Johanne, Catharina und Magdalena, sind - natürlich - Ausnahmefiguren, doch ihr Schicksal weist Brüche auf. So finden alle drei ihre große Liebe, doch anders als in vielen ähnlich angelegten Geschichten, ist ihnen nicht das große, strahlende Happyend vergönnt. Und auch ihre Charaktere warten mit Überraschungen auf, vor allem die unbeugsame, oft tyrannische Johanne ist eine erfreulich vielschichtige Figur. Kritik kann man allenfalls am Aufbau üben, denn der Leser gewinnt den Eindruck, als ginge der Autorin am Ende die Puste aus, so dass Magdalenas Schicksal nur noch wie ein Anhang wirkt, der nicht mit den ersten beiden Teilen mithalten kann.
Fazit: Gut recherchierter epischer Roman mit etwas ausgedehntem Ende.
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Gina Mayer Die Protestantin Diana Verlag
672 Seiten, EUR 9,95
ISBN 978 3 453 35140 0