Emma ist sehr wissbegierig, hat zottelige Haare, trägt eine kleine Nickelbrille und hat etwas zu groß geratene Füße. Aber eigentlich ist sie ganz normal. Dennoch hat es die fiese Eva mit ihrer Gang auch auf sie abgesehen.
Regelmäßig werden Emma und andere Klassenkameraden von Eva, die sich für eine Königin hält, von ihrer Gefolgschaft verprügelt und erniedrigt. „Küss mir die Füße“ sagt Emma und lässt nicht eher von ihren Opfern ab, bis diese sich dazu durchringen, es tatsächlich zu tun.
Schon lange hat Emma von dieser Behandlung genug, doch keiner sagt etwas, keiner traut sich. Alle haben Angst erneut erniedrigt zu werden. Doch das ist noch nicht alles. Eva klaut auch noch, nimmt anderen Stift und Federmappen weg, doch das Schlimmste ist: Nicht einmal Frau Witzigmann, ihre Klassenlehrerin, unternimmt ernsthaft etwas dagegen.
Aber eines Tages fasst Emma einen Entschluss und macht ihren gepeinigten Klassenkameraden den Vorschlag sich bei ihr zu Hause zu treffen. Gemeinsam wollen sie überlegen und diskutieren, was sie gegen die Unterdrücker tun könnten. Vielleicht hat jemand eine Idee.
Zurückschlagen, sich rächen, denen zeigen, wo es lang geht, das sind zunächst die Vorschläge. Denn Gewalt ist schließlich keine Gewalt, wenn man sich wehren muss. Oder etwa doch? Die Kinder sind sich unsicher, was sie tun sollen. Die Eltern einweihen? Aber die hören sowieso nicht zu. Aber eins ist klar: So kann es nicht weitergehen.
Gewalt an Schulen ist längst nichts Neues mehr. Die einen treten, die anderen nehmen Sachen weg und die Opfer wissen nicht, was sie tun sollen. Genau so ist es in dieser Geschichte. Elisabeth Zöller stellt hier eine Situation nach, in die jedes Kind kommen könnte.
Die Mädchen und Jungen in dieser Geschichte probieren verschiedene Lösungsansätze aus. Da wird die Diebin zum Beispiel erfolgreich mit einem Piepsender überführt, der in einer geklauten Federmappe Alarm schlägt oder die Kinder kleben ihre Peiniger mit Leim an der Wand fest, an die sie sich immer triumphierend lehnen, um ihre Macht zu demonstrieren. Das dieser Vorschlag vielleicht nicht so toll war, wird den Kindern schnell klar, doch schließlich begreifen sie das Wesentliche: Um den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen müssen sie handeln und vor allem konsequent sein. Gemeinsam mit einer engagierten Lehrerin schaffen sie es schließlich doch, auch ohne selbst zurückzuschlagen.
Die Autorin rüttelt mit diesem Buch dazu auf, sich Gewalt nicht gefallen zu lassen und gleichzeitig über eigenes Verhalten nachzudenken. Warum gefällt es Eva andere verprügeln zu lassen, wie fühlen sich die Opfer und wie wäre es umgekehrt? Solche Fragen werden betrachtet.
Aber die Autorin beschäftigt sich in diesem Buch nicht nur mit dem Thema Gewalt, sondern spricht am Rande auch Pubertätsprobleme an. So kommt Emma sich etwas dick vor, findet einen Busen zu bekommen schrecklich und überhaupt nerven die Eltern immer. Emmas Mutter, die Sprachforscherin ist, regt sich zusätzlich über die Jugendsprache von heute auf. Warum muss ihre Tochter Worte wie „voll geil, ey“ benutzen? Die Geschichte ist in dieser einfachen, kindgerechten Sprache geschrieben, die genau den Umgangston der Kinder trifft. So können sie sich leichter in die Situation hineinversetzen und begreifen gleichzeitig, dass sich Eva und ihre Gang nur hinter solchen coolen Sprüchen verstecken.
Zu erwähnen sind auch die ansprechenden Illustrationen in dem Buch, die die Geschichte zusätzlich veranschaulichen.