Das Ende einer langen, erfüllenden Liebe durch den Tod
Ambrose Zephyr ist schon viele Jahre mit seiner Frau Zappora Ashkenazi verheiratet, als er die Diagnose einer unheilbaren Krankheit erhält. Was tun, wenn einem nur noch 26 Tage des Lebens verbleiben? Vielleicht die Plätze der Welt besuchen, die man schon lange einmal sehen wollte? Warum nicht? Dem Alphabet nach werden die Orte aufgeschrieben, zu denen man noch reisen könnte. Amsterdam, Berlin, der Eiffelturm, Florenz, Kairo und Istanbul,--es sind herrliche Stätten, denen sie einen letzten Besuch abstatten.
In kurzen, überschaubaren Sätzen, Assoziationen gleich, geht ihr gemeinsames Leben vor dem inneren Auge an Ambrose vorbei. Wie er Zipper, seine Frau, in den Räumen einer Modezeitschrift, für die sie beide gearbeitet haben, zum ersten Mal traf. Ihre Schönheit und ihre Ausstrahlung hatten es ihm angetan, intelligent, uneitel und liebenswert,--sie mochten sich sogleich und hielten ein Leben lang aneinander fest!
In dem Roman bestimmt die Poesie die erzählte Geschichte. Die sensible Ausdrucksweise gibt den Zustand eines Paares wieder, das sich urplötzlich mit der Begrenzung des Lebens konfrontiert sieht. Da blitzen Erinnerungen auf, die schon fast vergessen waren.
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Ihre Reise ist kurz und endet schon bald, weil die Kräfte für die lange Reise zu den vielen Orten, die sie noch sehen wollten, nicht mehr reichen. Wie diese Reise die beiden mit einander verbindet, das wird von einmaliger Zärtlichkeit und verborgener Trauer begleitet. Der Alltag und der körperliche Verfall finden genauso unsentimental Erwähnung, wie die lebendigen Erinnerungen. Trauer und Wut bleiben verhalten und scheu. Mit seiner poetisch und leicht erzählten Geschichte, die mit Charme und Würde ausgestattet ist, gewinnt der Autor seine Leser und berührt sie tief.
Die Städte und Landschaften werden in ihren charakteristischen Eigenheiten von der Wüste bis zum Ozean einem zauberhaften Reigen gleich aneinandergereiht, ohne sich im Unendlichen zu verlieren. Zart schwebend und atmosphärisch nahe am Gegenstand lässt Richardson die Zweisamkeit eines mittelalten Paares aufscheinen, das von ungewöhnlicher Präsenz und Vielgestaltigkeit ist. Die beiden Figuren, die einem während des Lesens nahe kommen, sind individuelle Charaktere, die nicht alltäglich sind. Man würde sie gerne kennen.
Der Debütroman des kanadischen Dichters ist in Aufmachung und Gestaltung so ansprechend, dass man sich das Buch gerne als Geschenk vorstellen würde.