Kein Zweifel, die katholische Kirche steht dem weiblichen Geschlecht nicht gerade offen gegenüber, doch welche Rolle spielt Maria, die Muttergottes, in diesem frauenfeindlichen Klima? Jaques Duquesne hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Bibel nach Zitaten und Erkenntnissen abzuklopfen, um herauszufinden waren, wer sie war, die Mutter Jesu!
Man muss die potentiellen Leser von Maria, die Mutter Jesu wahrscheinlich in zwei Gruppen unterteilen, die Gläubigen und die weniger Gläubigen. Erstere Gruppe wird über gewisse Aspekte hinwegsehen, bei denen Agnostiker und Atheisten vielleicht ihre Probleme bekommen, nämlich die Frage, inwieweit man Maria als historische Figur betrachten kann, inwieweit sie ein Konstrukt der katholischen Kirche ist.
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Aber zuvor ein Wort über den Aufbau des Buches: Der Autor unterteilt eine Betrachtung in zwei Teile. Der erste, „Untersuchung“, versucht herauszufinden, was wir an Daten über Maria aus der Bibel und anderen Quellen erfahren und wie wir diese im Licht der Historie bewerten können, der zweite, „Maria später“, beschäftigt sich eher mit Kirchengeschichte und späterer Auslegung.
Bis zu einem gewissen Grad erinnert das Buch an eine Interpretation, wie man sie aus der Literaturwissenschaft kennt, was vor allem an der Schwierigkeit liegen mag, dass man die „historische“ Maria nur bedingt als solche anerkennen kann. Vor allem wenn der Autor auf die unbefleckte Empfängnis zu sprechen kommt, werden Gläubige und Ungläubige sich spalten. Während es für die ersten sicher wichtig ist, diesen möglichen Widerspruch überzeugend aufzulösen, werden letztere ihn von vorneherein als Fiktion oder Symbol betrachten.
Dennoch bietet Duquesnes Buch für alle, die sich für die Bibel und den katholischen Glauben interessieren, eine sorgfältige Studie, die mit guter Recherche und viel Sachlichkeit aufwartet. Das kann nicht überraschen, wenn man sich die Bibliographie des Autors anschaut, der sich nicht nur als Chefredakteur und Herausgeber in seiner Heimat Frankreich einen Namen gemacht hat, er ist auch mit einer viel beachteten Jesusbiographie in Erscheinung getreten. Wer sich also kurz und übersichtlich informieren möchte, der ist mit Maria, die Mutter Jesu gut beraten.
Lediglich ein Dutzend Mal wird sie in den Evangelien von Lukas und Matthäus namentlich genannt. Petrus, Jakobus und Paulus ignorieren sie fast vollständig. Dabei wäre ohne sie unsere Geschichte, nicht nur die der christlichen Kirchen, anders verlaufen. Jacques Duquesne portraitiert Maria von Nazareth als einfache, liebevolle, aber auch entschiedene junge Frau aus Galiläa, als außergewöhnliche Gestalt und als Frau ihrer Zeit. Er zeichnet ein realistisches, manchmal provozierendes Bild der Frau, die wie keine andere bis heute die christliche Welt bewegt.