Die langen Stunden des Augenblicks: das sind die Stunden, in denen Vera auf ihren erfolgsbesessenen Lebensgefährten wartet!
Vera und Roland sind zwei erfolgreiche, dynamische Senkrechtstarter. Sie geben den Plot zu einer Erzählung, in der es um Geld, Karriere und beruflichen Aufstieg geht.
Roland Zarth ist Radiomacher, Vera Pflüger Innenarchitektin.
Beide wetteifern um Ruhm und äußeres Ansehen. Während sie zielstrebig ihrem Beruf nachgeht, ist er geradezu besessen von seinem beruflichen Fortkommen. Sie bemüht sich eifrig, ihm behilflich zu sein, in dem sie zusätzlich zu ihrer Arbeit noch seine Wünsche erfüllt. Da geht es um die Ausrichtung von Einladungen, Events und Repräsentationsaufgaben.
Ihr Kinderwunsch bleibt bei der aufregenden Alltagshektik auf der Strecke. Er hat bereits eine Tochter aus einer ersten Ehe, die mit ihrer Gegenwart als 15 jähriger Teenager dem Glück der beiden nicht zuträglich ist.
Renate Feyl ist bisher hervorgetreten mit einer Reihe von Romanbiographien insbesondere über Frauen, die zur Zeit der Romantik lebten.
In diesem Roman porträtiert sie eine Frau der Gegenwart, die sie mit ihren zeitgemäßen Widersprüchen auftreten lässt.
Erfolgreich, angesehen und mit einem ebenso erfolgreichen Partner liiert, ist von Heirat zwischen dem Paar nicht die Rede. Glaubhaft wird das Tempo beschrieben, mit denen beide Partner ihren beruflichen Werdegang betreiben. In Veras Befinden zeigen sich jedoch bald Risse. Zwischen den Zeilen spürt man Unruhe und Zweifel, ob dieses Leben ihren Vorstellungen entspricht. Behutsam wird man Zeuge einer Beziehung, in der Zarth rücksichtslos seinen Weg geht, ohne seiner Lebensgefährtin Raum für eine gemeinsame Entwicklung zuzubilligen. Sie sucht Ruhe und Entspannung beim Joggen. Da begegnet ihr Oliver, ein arbeitsloser Jurist. In ihm sieht sie einen Mann, der Zeit für sie haben könnte. Und sie sehnt sich danach! Doch alles geht seinen gewohnten Gang: sie lebt mit Zarth von einer Hoffnung zur nächsten, und eine Enttäuschung folgt auf die andere.
Anzeige
Mit überzeugenden Bildern zeigt Renate Feyl, wie Hoffnungen und Lebensträume im Nichts verrinnen, wenn Frauen sich vergeblich um erfüllende Partnerschaften bemühen. Männer haben gelegentlich Lebensmuster, die mit denen ihrer Partnerinnen nicht in Übereinstimmung sind. Ohne Kind fehlt das Bindeglied zu einem abgerundeten Familienleben. Frauen, denen das Kinderglück versagt bleibt, sehen sich im Erfolgsstress und in der Mitte ihres Lebens um den Sinn betrogen. Renate Feyl zieht ihre Geschichte konsequent durch. Vielleicht wird in diesem Roman ein wenig übertrieben von Geschäftsmachenschaften, Kalkulationen, Zahlen, der Bedeutung von Geschäftsbeziehungen und Termindruck gesprochen. Mit der überzogenen Darstellung trifft sie jedoch den Nerv der Zeit: dass Frauen im Glücksverhalten andere Erwartungen und Vorstellungen haben als ihre Lebenspartner.
Die Autorin hat einen interessanten Beitrag zur gesellschaftlichen Gegenwart geleistet und ist ihrem Genre treu geblieben: gesellschaftliche Beziehungsformen in ihrem jeweiligen Kontext zu ermitteln.