Eine ganz schlimme Geschichte… : Miesel und der Kakerlakenzauber
Miesel ist arm dran. Der 12-jährige Waisenjunge lebt bei seinem Onkel Basil Trampelbone, der es nur auf das Erbe Miesels abgesehen hat. Man könnte auch gut sagen, er hält ihn gefangen. Miesel stinkt zum Himmel, weil er keine Möglichkeit hat, sich zu waschen. Seine Haare sehen aus, als wäre er unter einen Rasenmäher gekommen, da er sie sich selber schneiden muss. Was seine Anziehsachen noch zusammenhält, vermag man nicht zu sagen.
Zu essen bekommt er nur, was der Onkel übrig lässt, demzufolge ist er knochendürr. Miesel darf nichts lernen und auch nicht spielen. Seine einzige Freude ist es, die auf dem Dachboden stehende Modelleisenbahnanlage aus angemessener Entfernung zu betrachten.
Der Wunsch, einmal selbst mit der Eisenbahn spielen zu dürfen, wird in Miesel übermächtig. Er ersinnt einen Plan und lockt Basil aus dem Haus. Dann steigt er auf den Dachboden und sieht sich erst einmal in Ruhe die Anlage an. Seltsam, wie Basil einige Figuren in Szene gesetzt hat. Nicht gerade ungefährlich, wären sie lebendig. Dann setzt er den ersten Zug in Bewegung. Auch eine andere Eisenbahn fährt los, wovon Miesel zunächst aber nichts bemerkt. Irgendwie verselbstständigt sich alles und der Junge weiß nicht, wie er den drohenden Zusammenstoß der beiden Züge verhindern soll. Er ist so konzentriert bei der Sache, dass er nicht merkt, wie jemand die Treppe hoch steigt. Und da steht der Onkel auch schon hinter ihm, völlig erbost und stinksauer. Er hat nicht lange gebraucht, um Miesels Plan zu durchschauen. Mit Zauberkraft hält er die Züge auf, bevor er sich daran macht, Miesel zu bestrafen.
Miesel findet sich klein gezaubert auf der Eisenbahnanlage wieder. Doch allein ist er nicht, wie er wenig später herausfindet. Einige der Figuren sind ebenso wie er nur verhext. Alles Menschen, die Basil in die Quere gekommen sind. Miesel schafft es, sie wieder zum Leben zu erwecken. Als die Nacht kommt, wird klar, dass das Leben auf der Eisenbahnanlage sehr gefährlich ist. Jede Nacht geht eine gefräßige Fledermaus auf die Jagd. Es gibt kein Entkommen. Alle sind gefangen auf dem großen Tisch. So verstecken sie sich, so gut es geht. Und dann kommt auch noch Basil, um nach dem Rechten zu sehen. Er sieht, was Miesel mit seinen Figuren angestellt hat. Er will sie wieder und sagt Miesel den Kampf an. Er verspricht wiederzukommen, wenn es Tag ist. Miesel und seinen Freunden bleiben nur einige Stunden, um einen Plan auszuarbeiten. Doch es ist fraglich, ob sie gegen den gemeinen schwarzen Hexer, denn genau das ist Basil, überhaupt eine Chance haben.
Das ist ein wirklich gelungenes Lesevergnügen. Die Geschichte ist reichlich verrückt und über alle Maßen spannend. Der Autor erzählt mit viel Humor und springt von einer komischen Situation zur nächsten. Man kommt gar nicht mehr aus dem Staunen heraus, bewundert den Ideenreichtum des Autors, seine Freude an merkwürdigen Details und seine einmalige, eindringliche Art zu erzählen. Hin und wieder ist auch der Gruselfaktor recht hoch. Miesel, der sich bisher seinem bösen Onkel gefügt hat, nimmt sein Schicksal nicht mehr hin. Er setzt sich endlich zu Wehr und versucht auch den anderen Opfern zu helfen. Dabei wächst er über sich hinaus, entwickelt Mut und Selbstbewusstsein. Auch die skurrilen Illustrationen sind mehr als einen Blick wert, kann man sich doch so ein besseres Bild von den Figuren machen.
Das Buch ist besonders aufgeweckten Kindern zu empfehlen, aber auch gerade Lesemuffel könnten durch diese Geschichte zum Lesen animiert werden, denn der Autor versteht es, zu begeistern.
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Ian Ogilvy Miesel und der Kakerlakenzauber Eine ganz schlimme Geschichte…
Aus dem Englischen von Cornelia Krutz-Arnold
Illustriert von Chris Mould Ravensburger Buchverlag
224 Seiten, gebunden, 12,95 Euro
ab 10 Jahren
ISBN 3-473-34471-0