Nach langen Jahren im Schützengraben steht der Frieden kurz bevor. Menschen haben dafür geblutet, darum gebetet, nun endlich scheinen sie erhört worden zu sein. Doch noch immer gibt es Gegner und Zweifler, die dem besiegten Deutschland eine andere Rolle zugedacht haben. Mit allen Mitteln müssen der Feldgeistliche John Reavely und seine Geschwister einen Verrat von nie gekanntem Ausmaß verhindern.
Die Gebete des Feldgeistlichen John Reavley sind doppelt erhört worden. Der Frieden ist in greifbarer Nähe und sein Bruder Matthew, der für den Geheimdienst tätig ist, berichtet ihm, dass der deutsche Oberst von Schenckendorff, ein Vertrauter des „Friedensstifters“, eines Landesverräters, der auch Johns Eltern auf dem Gewissen hat, bereit ist, die Machenschaften seines Verbündeten aufzudecken. Tatsächlich hält von Schenckendorff Wort und begibt sich in britische Gefangenschaft. Doch kaum ist er festgesetzt, wird ganz in der Nähe eine Krankenschwester vergewaltigt und ermordet.
Nun müssen John, Matthew und ihre Schwester Judith alles daran setzen, den wahren Schuldigen zu entlarven, bevor der einzige Mann, der ihnen helfen kann, für ein Verbrechen gehenkt wird, das er nicht begangen hat. Doch nicht nur das Wohl Englands steht auf dem Spiel, auch die privaten Gefühle der Geschwister erwachen zum Leben. Am schlimmsten trifft es Judith, die sich eingestehen muss, dass sie sich in den Kriegsberichterstatter Richard Mason verliebt hat, einen talentierten, mutigen Mann – und einen Verräter.
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Mit Und ruhelos sind die Toten bringt Erfolgsautorin Anne Perry ihre im ersten Weltkrieg angesiedelte Reihe um den Feldgeistlichen John Reavley und seine Geschwister (voraussichtlich) zu einem ebenso konsequenten wie überzeugenden Abschluss. Wie in den ersten drei Bänden ist die konventionelle Mörderjagd dabei mehr die Folie für eine tiefgründige Diskussion moralisch und ethisch relevanter Fragen, und auch die Identität des „Friedensstifers“ ist eng mit Fragen nach Loyalität und Pflichterfüllung verbunden.
Passend dazu ist eine der positiv besetzten Hauptfiguren ausgerechnet ein deutscher Überläufer, der sein eignes Leben aufs Spiel setzt, um einem größeren Ganzen zu dienen. Überhaupt macht die Autorin immer wieder deutlich, dass man sowohl die Verbrechen als auch Opfer des Krieges auf beiden Seiten finden kann. Wiederholt verdeutlicht sie den tiefen Schmerz und die Verunsicherung einer ganzen Generation, die ihre Welt für immer verloren hat. Auch wenn der Leser bisweilen den Eindruck hat, als ob Worte nicht ausreichen, um dem Thema gerecht zu werden, so ist der damit verbundene Appell an die Menschlichkeit doch berührend.
Insgesamt ist Anne Perry sich treu geblieben. Die wichtigsten Werte in ihrem Universum sind immer noch Ehre und Aufrichtigkeit, und diese werden ohne Ausnahme hochgehalten, dennoch gelingt es ihr wieder, diese moralische Aussage in eine spannende Handlung mit überzeugend ausgestalteten Figuren einzubinden, so dass nicht nur Fans der Autorin voll auf ihre Kosten kommen werden.
Fazit: Würdiger Abschluss der John-Reavley-Tetralogie
Anne Perry Und ruhelos sind die Toten (Originaltitel: We Shall Not Sleep)
Aus dem Englischen von Dietmar Schmidt
Bastei Lübbe
428 Seiten, EUR 8,95
ISBN 3404158105
Oktober 1918. Das Kriegsende naht, doch an der Westfront toben unvermindert heftige Kämpfe. Als der Vertraute eines lange gesuchten Verschwörers und Hochverräters die Seiten wechseln möchte, begibt sich Matthew Reavley, der beim britischen Geheimdienst arbeitet, an den Frontabschnitt, in dem sein Bruder Joseph als Feldgeistlicher und ihre Schwester Judith als Sanitätsfahrerin dienen. Kaum ist Matthew an der Front eingetroffen, wird eine Krankenschwester auf bestialische Weise ermordet. Zunächst verdächtigt man einen deutscher Kriegsgefangenen, doch dann mehren sich Verdachtsmomente gegen Matthew Reavley...