Mit zitternden Händen schlägt der junge Kritiker das Buch auf, das Buch, das seinen Ruhm begründen und ihn unsterblich machen soll. Immerhin ist es ihm gelungen ein Interview mit dem legendären Künstler Jaques Debierue zu ergattern und sein letztes Kunstwerk der Öffentlichkeit zu präsentieren. Doch dem Interview geht eine dunkle Geschichte voraus.
Kunstkritiker James Figueras nimmt seinen Beruf ernst. Für ihn sind Künstler eigentlich nur Lieferanten von Werken, die der Kritiker dann für die breite Masse zugänglich machen muss. Doch obwohl er seinem Anspruch durchaus nachkommt, fehlt ihm noch der ganz große Knaller, der seinen Namen in der Kunstwelt bekannt macht. Als er das Angebot bekommt, den eigenwilligen Jaques Debierue zu interviewen, greift er begeistert zu. Denn Debierue ist dafür bekannt, nicht für das Publikum zu malen.
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Doch die Sache hat einen Haken. Zum Dank für die Adresse des verschrobenen Malers soll Figueras eines seiner Bilder stehlen. Doch diese Kleinigkeit schreckt ihn nicht ab. Zusammen mit seiner Freundin Bianca – einem Franzosen kann man immer mit einer schönen Frau beikommen – sucht er Debierue auf. Und hier entdeckt der Kritiker nicht nur Debierues bekanntestes Werk, einen leeren Bilderrahmen, er lüftet auch noch das große Geheimnis des Künstlers. Und plötzlich kann er keine Zeugen mehr gebrauchen.
Es ist ein kleiner böser Krimi, der hier wiederentdeckt worden ist. Der Held, der ehrgeizige junge Kritiker Figueras erinnert in seiner Anlage an Billy Wilders charakterlosen Helden, der in Sunset Boulevard einer alternden Schauspielerin falsche Hoffnungen macht. Ähnlich wie dort tritt auch hier der Held als Ich-Erzähler in Erscheinung, so dass eine interessante Spannung zwischen Fremd- und Selbsteinschätzung der Figur entsteht. Während der Leser sich der Charakterdefekte des Helden immer bewusster wird, hält Figueras an seiner Sicht der Dinge eisern fest.
Ein geschickter Schachzug ist auch, dass Ketzerei in Orange eigentlich mit drei handlungstragenden Figuren auskommt, nämlich dem Maler, dem Kritiker und seiner Freundin. Auf diese Weise wird neben dem mörderischen Spiel um Schein und Sein, um Wahrheit und Verrat auch Figueras Theorie über die Überlegenheit des Kritikers über den Künstler – und das Publikum sowieso – auf den Prüfstein gestellt. Außerdem gelingt es Willeford trotz der wenigen Figuren und der konsequent voran getriebenen Handlung immer wieder Wendungen einzubauen, die den Leser überraschen.
Fazit: Eine böse schimmernde Krimiperle um Kunst und Mord