Absolut unbestritten: das ist eine tolle Stimme und sie wird auch nach 590 Minuten auf 8 CDs nicht müde. Da sind keine Durchhänger und Längen- außer denen die textbedingt sind- und man wird der Stimme auch nicht überdrüssig. Jochen Striebeck, Schauspieler und Synchronsprecher, liest klasse und professionell. Da ist aber auch ein "Aber":
Striebecks sicher so bekannte Stimme, seine Art Text mit Stimme zu modellieren, zu visualisieren, der Motor zu sein für die Bilder, die beim Hören im Kopf entstehen, mag noch so profihaft sein, sie passt nicht zu Donna Leons filigraner Geschichte aus Venedig. Es ist nicht die Stimme, die die feinen Untertöne vermittelt, die einen ironischen Halbsatz zu einem akustischen I-Tüpfelchen werden lässt. Striebecks Stimmklang, da assoziiert man vielmehr Bodenständiges, brav Erzähltes, Geschichten von groben Gesellen irgendwo hinterm Deich.
Im neuen Donna Leon Krimi geht es um Bestechlichkeit und Korruption, diesmal in Mediziner- und Apothekerkreise, es geht um unerfüllte Kinderwünsche und das im gerade so kinderlieben Italien. Kinderarzt Pedrolli wird brutal zusammengeschlagen von einem Trupp Carabinieri. Sein angebliches Vergehen: er soll illegal ein Kind adoptiert haben. Aber warum diese Brutalität?
Natürlich ist es auch ein Stückweit die routinierte und gekonnte Art Donna Leons, ihre Story in Szene zu setzen, natürlich hört man gespannt zu, was es in der Familie des Commissarios, Ehefrau Paola und den Kindern Chiara und Raffi Neues gibt. Man sieht förmlich vor sich das verschmitzte Gesicht der Signorina Elettra, wenn sie ‚das polizeiliche Sicherheitssystem' mal wieder austrickst. Und allen voran Patta, Brunettis Vorgesetzter, dieser "Hohlkopf" der "obendrein eitel und faul" ist. In diesen Geschichten fühlt man sich eben sofort zu Hause.
Es sind die Trümpfe der Donna Leon, mir gewohnter Szenerie und Schauplätzen immer wieder zu faszinieren, auch wenn die Geschichte dieses Mal doch Längen und stellenweise arg langatmig daher kommt. Dafür kann Jochen Striebeck wiederum nichts, aber es ist eben auch nicht die Stimme, die diese Schwächen ausbügelt.
om Krimifieber her also eher mäßig temperiert, von der Geschichte her sicher sehr aktuell und brisant und als akustische Untermalung einer langen Urlaubsfahrt - vielleicht ja nach Venedig - sicher bestens geeignet.
Was ist geschehen, wenn schwerbewaffnete Carabinieri die Wohnung eines Kinderarztes stürmen und ihm sein 18 Monate altes Baby entreißen? Brunetti gibt keine Ruhe, bis er die Hintergründe kennt. Geldsegen und Vergeltung, Kindersegen und unerfüllter Babywunsch: In 'Lasset die Kinder zu mir kommen' wird der Familienmensch Brunetti vor eine harte Zerreißprobe gestellt.