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Das Mädchen auf dem Seil PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Hans Peter Roentgen, am 17-07-2008 11:00
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maedchenaufseil120.jpg»Lona Rosenzweig durfte nicht erwachsen werden.

Deshalb legte ihre Mutter sie abends in eine Kiste, statt in ein Bett, und obwohl Lona schon bald mit Kopf und Füßen an das schwarze Holz stieß und sich krumm machen musste, damit sie Ruhe fand, änderte das nicht: Die Kiste war und blieb ihre Schlafstätte, denn ihre Mutter bildete sich ein, sie so am Größerwerden zu hindern.«

 

Arthur Koschwitz ist Direktor eines heruntergekommenen Zirkus. Er ist es mit Leib und Seele, nie sieht ihn jemand ohne Zylinder und Frack und selbst im Krankenhaus weigert er sich, diese abzulegen.Dann entdeckt er die Seiltänzerin Lona Rosenzweig, die auf dem Seil läuft und tanzt wie keine zweite. Lona soll Koschwitz’ Zirkus retten.

Dazu soll auch die Kassiererin Juli Mergenthaler beitragen, die gerade ihre Mutter verloren hat. Sie ist in Lonas Alter und die Ich-Erzählerin der Geschichte.

Zum Personal gehören ferner der alte Gruber mit seinem Bären, der in der Speisekammer schläft und Franz Großhaupt mit Leoparden, die er frei laufen lässt.

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In einem schäbigen Hinterhof Berlins wohnt diese Truppe und arbeitet auf den ersten Auftritt hin. Doch der verläuft nicht, wie geplant.
Überhaupt verläuft wenig in dem Roman wie geplant. Lona und Juli befreunden sich, doch Lonas Sprunghaftigkeit und die Vorschriften der Mutter stellen die Freundschaft immer wieder in Frage.

Ein skurriles Buch, bei dem man nie weiß, ob es nun Komödie oder Tragödie ist. Mit verrückten Figuren, die dem Leser dennoch ans Herz wachsen und deren Handlungen konsequent bis zum Ende bleiben und die der Autor immer ernst nimmt.

Irgendwo zwischen Kafkas „Verwandlung“ und Irvings „Das Hotel New Hampshire“ ist es angesiedelt und auch der „Per Anhalter durch die Galaxis" gehört wohl zur literarischen Verwandtschaft.

Wie in dem Erstling „Spinnerkind“ besticht es durch eine eigene Sprache, durch Witz und Traurigkeit, durch Doppelbödigkeit und durch die Figuren. Heiko Wolz hat es jedenfalls geschafft, wieder ein ganz eigenes Buch abseits der ausgetretenen Pfade zu schreiben.

Eigentlich kann man dazu nur eins sagen: Unbedingt Lesen!

Bibliographische Angaben


Heiko Wolz Das Mädchen auf dem Seil
Addita, 2008
S. 140, broschiert, EUR 8,90
ISBN 3939481092


Letztes Update: 17-07-2008 09:39

Veröffentlicht in : Buch, Belletristik
Schlüsselworte : Berlin, Zwanziger Jahre, Zirkus, Seiltänzerin, Leoparden, Bären, Dompteur, Zirkusdirektor
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