In einem Panorama mit Furcht erregenden Ingredenzien wird hier eine dörfliche Gemeinschaft um 1900 in den Fokus gerückt.
Der Chronist dieser unheimlichen Erzählung ist der letzte Spross einer Familie von Stadtschreibern, die Generationen zurück reicht. Er schreibt Reden, Zeitungsberichterstattungen, und eine Art Merkbuch für einen unbekannten Gefängnisinsassen, dessen Identität bis zuletzt verborgen bleibt. Indem er ihm wichtige Erlebnisse mitteilt, wird der Unbekannte zum Zielobjekt der Neugierde.
Das Dorf Zeewijk liegt abgelegen am Meer in Holland und ist unheilschwanger von allerlei denkwürdigen Begebenheiten. Die Männer fahren zum Fischen, und das Leben scheint in einem gleichmäßigen Trott zu verlaufen. Man kann sich aber gut vorstellen, dass in einem Klima des Abseits und der Einsiedelei Phantasie gemischt mit Aberglauben sein Unwesen treibt!
Mit schlafwandlerischer Sicherheit geht der Icherzähler von einem Dorfbewohner zum anderen und erzählt uns Geschichten aus deren Alltag.
Als düstere, magische Vorboten lassen sich eines Tages aggressive Raben auf dem Kirchturm nieder. Und dann erscheint auch noch ein Bewohner in der gut frequentierten Kneipe des Ortes und präsentiert ein totes Kaninchen! Die Seuche, die das Tier entstellt hat, ist unerklärlich. Als immer mehr tote und grässlich zugerichtete Kaninchen gefunden werden, ist der Verdacht nahe liegend, dass die Raben in grausamer Weise ein Massaker an ihnen vollziehen.
Im Dorf herrscht eine beinahe mittelalterlich anmutende Angst vor unheimlichen und mystischen Bedrohungen, doch die fromme dörfliche Gemeinschaft wähnt sich von Gott auserwählt.
Der Chronist hat die Gabe der Traumdeutung von seinem Vater geerbt, und unheimlich ist die Häufung gleicher Traumgeschichten, die ihm die Dorfbewohner vortragen.
Und dann gibt es da noch den Sonderling Wijnand Marseau. Er kommt von auswärts, ist wohlhabend, weit gereist, und seine Villa auf einem Hügel ist sagenumwoben. Niemand weiß sehr viel von ihm, doch er scheint an einer unbekannten Nervenkrankheit zu leiden.
Die Erzähler, selbst befangen im Aberglauben, berichtet beseelt von der verbreitet frommen Haltung der Dörfler und der Legendenbildung im Dorf. Was erfindet er, und was entspricht der Wahrheit?
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Der Autor bietet Einblicke in eine von Argwohn geprägte dörfliche Welt. Die Wurzeln des Bösen haben sich tief in die Gemeinschaft hineingefressen. Zitate aus der Bibel ergänzen schicksalsträchtig poetische Darstellungen, die in differenzierter Weise von einem weltfremden und bigotten Leben berichten. Unweigerlich ist man gebannt von der aus Aberglauben und düsteren Ahnungen bedrohten Gemeinschaft. Marseau spielt eine undurchsichtige Rolle in der Dorfgeschichte, und der Maler Johan Castelijne hat unaufdringlich ebenfalls seine Hand im Spiel. Der Chronist bleibt der Mittler zwischen den Protagonisten und spielt gleichzeitig eine zentrale Rolle.
Mit Spannung folgt man einer Geschichte, die mit Überblendungen vom Heute zum Gestern findet, und in der Aberglaube, finstere Voraussagen und eine mit archaischen Strukturen angereicherte Atmosphäre hautnah die Menschen in ihrem Dasein verunsichern. Zuletzt geht es um Geld und Erbschaft, um Vermächtnisse und um den Tod. Subtil und einfallsreich endet die Geschichte.
Der Autor hat eine ausgefallene Psychostudie konstruiert, die einen Kriminalfall vortäuscht, in Wirklichkeit aber als Gesellschaftsstudie gelten kann; sie ist gut getroffen und geheimnisvoll realisiert.