Die Kathedrale des Meeres von Ildefonso Falcones ist in Spanien inzwischen zu so etwas wie einem National-Epos geworden. Der Erfolg dieses umfangreichen historischen Wälzers war dort überwältigend und auch in Deutschland dürfte sich der Verlag nicht über all zu schwache Verkaufszahlen freuen - auch wenn der Erfolg bei weitem nicht die Zahlen generierte wie in Spanien.
Falcones, ein Jurist, entfaltet anhand der Lebensgeschichte Arnau Estanyols ein umfassendes Panorama des 13. Jahrhunderts. Vor allem geht es ihm darum, den Freiheitsbegriff der damaligen Zeit zu illustrieren. Das hört sich jetzt etwas spröder und theoretischer an als es letztlich ist. Denn allzu eindrucksvoll gelingt es Falcones, diesen Diskurs in seine Handlung einzubinden, ohne dass er stören würde.
Der erzählerische Fokus dieses historischen Romans liegt auf Arnau Estanyol und dessen langen Weg vom Leibeigenen zum Seekonsul Barcelonas. Die Stationen dieses Weges aufzuzählen mit all den Rückschlägen und wechselnden Personenkonstellationen wäre müßig und würde viel vom Lesevergnügen, das sich bei der Lektüre dieses Romans unweigerlich einstellt, nehmen. Das Sinnbild, das eng mit der Vita Arnaus verknüpft wird, ist die Kathedrale Santa Maria del Mar, eine riesige Kirche, die vom Volk für das Volk gebaut wird und an deren Erbauung Arnau auf diverse Arten und Weisen beteiligt ist. Doch während sich die Kathedrale des Meeres in den Himmel reckt, wirft sie auch dunkle Schatten auf das Leben der Menschen: Das Volk leidet unter der Willkür des Adels, die Pest lauert vor den Toren und als wäre damit nicht genug, treibt die Inquisition, diese teuflische Ausgeburt der katholischen Kirche, ihr Unwesen.
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Falcones, der sich zwar auf historische Quellen beruft, allerdings sehr frei mit ihnen umgeht, jongliert mit den historischen Ereignissen ohne aber - und das ist mit eine der größten Leistungen dieses Autors - in die faule Trickkiste des Kitsches zu greifen. Dramatische Elemente finden sich hier zwar auch - und das nicht zu knapp - doch haben sie alle ihre Berechtigung und zeigen wie steinig und vor Umwegen wimmelnd sich Arnaus Weg in die Freiheit gestaltet. Ob er die Freiheit letztlich findet, das bleibt trotz optimistischen Schlusses offen.
Alles andere als offen bleibt das Urteil über das Buch - das ist durchweg positiv. Und ebenso positiv ist auch das bei Argon erschienene Hörbuch zu bewerten. Satte 19 CDs oder 1420 Minuten benötigt Wolfgang Condrus für seine beeindruckende Lesung, der man gebannt die gesamte Strecke über lauschen kann, ohne dass sich Ermüdungserscheinungen einstellten. Eine hervorragende und respekteinflößende Leistung des Sprechers!
Es muss nicht immer ein Follet oder Eco sein, wenn man anspruchsvolle und bildgewaltige Historienepen lesen bzw. hören möchte!!!