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Geschichte des Hörbuchs PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Birte Ziemann, am 11-07-2008 09:00
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Geschichte HörbuchSehr nüchtern schreibt der Brockhaus Literatur über das Hörbuch: "von einem (möglicherweise prominenten) Sprecher vorgelesener literarischer Text, der auf einem adäquaten Medium gespeichert im Handel angeboten wird." So kann man es natürlich kurz und knackig zusammenfassen. Doch für einen Hörbuchfan ist klar: Ein Hörbuch ist so viel mehr als nur ein Text, gespeichert auf einem adäquaten Medium. Vielmehr sind es doch kleine Kunstwerke, die einen Text zum Leben erwecken, ihn erst richtig zum Atmen kommen lassen. Alles Wissenswerte zum Thema Hörbuch, erfahren Sie diesen Monat im großen Special auf literature.de.

Entwicklung der Tonaufnahmetechnik: Z(TH)ink Positiv(e)

Die Voraussetzung für die Entwicklung von Hörbüchern war die Entwicklung der Ton- und Aufnahmetechnik. Mit der Erfindung des Phonographen (1877) und seiner Weiterentwicklung durch Thomas Edison wurde die Technik erheblich vorangetrieben. Denn so konnte man erstmals Gesprochenes aufnehmen und wieder abspielen. Zwar hielten die "Datenträger" (in diesem Fall einfaches Stanniolpapier) nur etwa fünf Abspieldurchgänge lang, aber trotzdem war dies ein Meilenstein in der Tontechnik. Über verschiedene Entwicklungsstufen fand man sich schließelich bei der Schallplatte wieder - und damit der ersten Möglichkeit, Aufnahmen auch zu kopieren.

Denn um die neue Technik für die Unterhaltungsindustrie nutzen zu können, mussten die Aufnahmen einer großen Masse zugänglich gemacht werden. Dies war allerdings nur möglich, wenn man ein Verfahren findet, mit dem man die Aufnahmen vervielfältigen konnte. Und genau das ist Emil Berliner gelungen: mithilfe eines speziellen Gerätes ritzte er die akustischen Schwingungen mit einer Nadel auf eine mit Ruß überzogene Glasplatte. Diese Platte wurde dann mit Zink beschichtet, wodurch ein Zink-Positiv entstand. Aus diesem konnte wiederum ein Negativ angefertigt werden, dass dann beliebig oft kopiert werden konnte. Die ersten Berliner-Schallplatten bestanden aus Hartgummi, später wurde auf Schellack umgestellt.

Schnell sprangen mehrere Firmen auf den lukrativen Zug der Schallplattenherstellung auf und mit der Zeit erkannten auch immer mehr Musiker die Vorteile, die sich ihnen boten. Noch rasanter wuchs der Markt, als Mitte der Zwanziger Jahre die alten akustisch- mechanischen Aufnahmetechniken durch elektrische ersetzt und so auch die Klangqualität verbessert wurde. Spätestens als Schallplatten dann aus Vinyl hergestellt wurden, wurden sie zu einem Produkt, an dem niemand mehr vorbei kam - bis die CD den Markt eroberte.

Beethoven und die Compact Disc verdrängen das Vinyl

Denn auch wenn die Schallplattenindustrie durchaus immer wieder technische Neuerungen und Verbesserungen auf den Markt brachte, waren die Tage der Schallplatte gezählt, als die CD aufkam. Denn auf einmal konnte man Musik digital speichern und musste die kleine Scheibe nicht einmal umdrehen, sondern konnte sie in einem Durchlauf komplett hören. Ganz davon abgesehen, haten sich bei dieser Neuentwicklung zwei Riesen der Industrie sozusagen verbündet: Wer sollte gegen eine gemeinsame Entwicklung von Sony und Philips ankommen?

Denn beide Firmen arbeiteten zeitgleich an der Weiterentwicklung der Video-Aufnahme- Geräte, um sie auch für Audioaufnahmen nutzen zu können. Da sie beide vor ähnlichen Problemen standen, entwickelten sie die CD und den Standard - der im sogenannten "Red Book" festgehalten wurde - zusammen. 1981 wurde die Compact Disc auf der Funkausstellung in Berlin erstmals offiziell vorgestellt.

Um die Festlegung von Größen, Formaten und Spieldauer einer CD ranken sich einige Legenden, so wurde die Länge einer CD vom Sony-Chef festgelegt, der zumindest Beethovens Neunte Symphonie in einem Stück hören wollte. Diese ist in der Aufnahme von Wilhelm Furtwängler ganz genau 74 Minuten, so dass das als maximale Länge einer CD festgelegt wurde. Technisch gesehen unterscheidet sich die CD vor allem durch Material und Herstellungsweise von der Schallplatte. Eine CD besteht größtenteils aus Polycarbonat, auf das eine von innen nach laufende Spiralspur geprägt wird. Was man so gar nicht vermuten würde: Diese Spiralspur ist etwa sechs Kilometer lang.

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Die CD war zunächst nur für reine Audioaufnahmen konzipiert worden, erst später wurde sie dahingehend weiterentwickelt, dass auch Daten auf ihnen gespeichert werden konnten. Nach der Entwicklung und Einführung des mp3-Datenformats für Aufdiodaten, ist es heute kein Wunder mehr, dass die meisten Musiktitel und Hörbücher nur noch in CD-Form oder sogar nur noch als Dateidownload angeboten werden.

Faust und der Krieg der Welten

Womit wir nach diesem kurzen technischen Exkurs wieder beim eigentlichen Thema, den Hörbüchern, sind: Hörbücher waren zunächst einmal für Blinde gedacht. Denn obwohl es natürlich die meisten Bücher auch in Braille-Schrift gibt, sind Menschen mit eingeschränkter Sicht doch ganz besonders benachteiligt, was die Rezeption von Büchern angeht. So geht auch die Bezeichnung "Hörbuch" auf die erste Blindenhörbücherei in Marburg zurück, die 1954 bei der Deutschen Blindenstudienanstalt gegründet wurde.

Parallel dazu produzierte der Hörfunk Hörspiele, die in noch fernseherlosen Wohnzimmern für Unterhaltung am Abend sorgten. Dabei war vielen Hörern offenbar nicht immer klar, dass es sich nicht um Reportagen sondern um fiktive Geschichten handelte. So hat die Ausstrahlung des Hörspiels zu H.G. Wells "Der Krieg der Welten" 1953 in New York zu einigen Irritationen geführt. Auch in Deutschland begann die Hörbuchproduktion nach dem Zweiten Weltkrieg anzuziehen und die Deutsche Grammophon produzierte in Zusammenarbeit mit dem Theater mehrere Hörspiele - zum Beispiel Goethes "Faust".

Zwar versuchten einzelne Verlage, wie zum Beispiel der Rowohlt Verlag, schon in den siebziger und achtziger Jahren eigene Hörbucheditionen auf den Markt zu bringen, doch schien die Zeit noch nicht reif dafür zu sein. Noch waren die Hörspiele "Kinderkram" und in den Kinderzimmern der Republik liefen Benjamin Blümchen, TKKG und die drei ??? rauf und runter, während die Elternfraktion sich für die traditionellen Bücher entschied. Erst Anfang der neunziger Jahre konnte sich das Hörbuch langsam am Markt festigen und durchsetzen.

In der Folge entstanden rasch Verlage, die ausschließlich Hörbücher veröffentlichten, wie der Hörverlag oder der Audioverlag. Bald entwickelten sich auch die Themen und die Bandbreite der Produktionen in viele verschiedene Richtungen. So werden heute nicht nur viele Belletristik-Titel auch als Hörbuch veröffentlicht, sondern auch Sachbücher, Reiseführer und Lyrik-Anthologien. Und auch der Gestaltungsvialfalt sind keine Grenzen gesetzt. Von der einfachen Lesung, über Hörspiele mit mehreren Sprechern bis zu wahren Klangsymphonien, die sich aus Sprecher und Musik zusammensetzen.

Die aktuelle Lage

So ist es kein Wunder, dass der Hörbuchmarkt stetig gewachsen ist und immer mehr Verlage Hörbücher in ihr Programm aufgenommen haben. Und mit der sich immer weiter verbreitenden Möglichkeit, Hörbücher direkt aus dem Internet herunterzuladen, sinken für die Verlage auch die Materialkosten. Gleichzeitig plagen die Verlage dieselben Sorgen wie die Musikindustrie: Genau wie Musik-CDs lassen sich Hörbücher leicht kopieren, so dass der Gewinn sinkt. Ebenso floriert auch hier der illegale Downloadmarkt im Internet, gegen den die Rechteinhaber kaum vorgehen können, wie das Börsenblatt berichtet.

Gerade jetzt scheint sich der Hörbuchmarkt in einer entscheidenden Phase zu befinden: Die Gewinne sind nicht mehr so stark gestiegen wie in den Vorjahren, gleichzeitig gehört das Prudukt "Hörbuch" zu den am meisten im Preis gestiegenen Waren - durchschnittlich stieg der Preis für Hörbücher auf CD von Mai 2007 bis Mai 2008 um 36,2 Prozent. Die Situation scheint viele Verleger von Hörbüchern zu einem Umdenken zu zwingen, weg von lieblos produzierten Billig-Hörbüchern hin zu qualitativ hochwertigen Produktionen. Es bleibt in jedem Fall spannend in Sachen Hörbuch.

Weiteres

  • Die Hörbuchtipps der Redaktion finden Sie hier
  • Hier gibt es ein schönes Hörbuch-Gewinnspiel



Letztes Update: 11-07-2008 09:05

Veröffentlicht in : Magazin, Specials
Schlüsselworte : hörbuch, tonaufnahme, vinyl, schellack, cd, mp3, grammophon, technik, edison, emil berliner
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