"Du gehörst mir, so wie in jener Nacht. Du kannst mir nicht entkommen. Du bist MEIN." Einen Liebesbrief zu bekommen, mag die meisten Menschen schmeicheln, wenn nicht gar freuen - zumindest, wenn Aussagen, wie die obige nicht auftauchen. Dieser Liebesbrief ist der Dreh- und Angelpunkt von John Katzenbachs Psychothriller Das Opfer, der nun in diesem Monat als Taschenbuch vorliegt.
Die attraktive Studentin Ashley Freeman begeht einen folgenschweren Fehler. Angeheitert verbringt sie eine Nacht mit Michael O´Connell, einem - wie es immer so schön heißt: tages- und nachtlichttauglichen Computerfreak und gerissenen Hacker. Was sie zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht ahnt: Michael ist ein Psychopath, und er hat beschlossen, dass Ashley die Frau seines Lebens ist. Nichts und niemand wird ihn davon abbringen - schon gar nicht Ashley. Michael lässt sich nicht abschütteln, Ashleys Zurückweisungen scheinen ihn noch mehr anzustacheln - ebenso wie der Kommilitone, den er bei einem Date mit Ashley beobachtet und danach beinahe zu Tode prügelt. Oder die beste Freundin, der Ashley ihr Leid klagt: Sie erleidet einen tragischen Autounfall - kommt aber mit dem Leben davon. Unerbittlich stellt Michael Ashley nach und übt einen extremen Psychoterror nicht nur auf sie, sondern auch auf ihre Familie aus. Gnade kennt er nur als Fremdwort, das, wenn, nur in seinem passiven Wortschatz vorkommt.
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Katzenbach berührt mitDas Opfer das heikle Thema Stalking. Die Möglichkeiten, sich gegen Stalker zu wehren sind gering, bzw. greifen polizeiliche Maßnahmen erst dann, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Diese Ohnmacht zu schildern, den Prozess, in dem Ashley immer klarer wird, dass sie nicht mehr eingreifen kann, dass sie keine Macht mehr hat, diesen Gestörten, der so gewaltvoll in ihr Leben getreten ist, loszuwerden, schildert Katzenbach eindrucksvoll. Er nimmt sich sehr viel Zeit, seinen Plot aufzubauen. Wie auch schon inDas Rätsel geht es ihm darum, das Seelenleben seiner Protagonisten in möglichst vielen Facetten auszubreiten und seine Handlung so glaubwürdiger und realistischer erscheinen zu lassen. So gelingt es ihm auch, eine wirklich intensive Spannung aufzubauen, die den Leser immer tiefer ins Geschehen mit einbindet und kaum mehr loslässt.
Seine Idee, neben der Geschichte um Ashley und Michael einem zweiten Handlungsstrang, in der eine Frau, über die trefflich spekuliert werden darf, inwieweit sie mit dem geschilderten Fall zu tun hat, einem Schriftsteller diese Geschichte erzählt, damit dieser daraus ein Buch schreibe, aufzubauen und zu integrieren, überzeugt voll und ganz.
Ein intelligent aufgebauter und spannend erzählter Psychothriller, der nicht nur Katzenbach-Fans gefallen dürfte.