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Startseite arrow Buch arrow Belletristik arrow Historischer Roman arrow Leonardo und die Principessa

Leonardo und die Principessa PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Irmela Körner, am 08-07-2008 17:00
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Leonardo und die PrincipessaMit merkwürdigen Irrungen und Wirrungen, blutigen Kriegen und hinterlistigen Putschen ist Italien im 16. Jahrhundert in die Geschichte eingegangen. In Florenz ringen die Medici um die Macht, Venedig hat wiederholt mit empfindlichen Niederlagen zu kämpfen. Der Papstsohn Cesare Borgia zieht in Feldzügen durch das Land, andere Papstverwandte warten auf Protektion und Regierungsgewalt. In Mailand wehrt sich der Condottiere Sforza erbittert gegen französische  und spanische Herrschaftsansprüche. Prestigeträchtige Verschwägerungen mit dem Fürstenhaus der Este, den Aragon und den Habsburgern, sowie ein glanzvoller Hof, dessen Feste kein geringerer als Leonardo da Vinci in seiner Eigenschaft als Krieg- und Zivilingenieur in Mailand ausrichtet, vermögen die Bedrohungen nicht zu überdecken.  Das ist der historische Hintergrund für einen Roman um die beiden gleichermaßen ehrgeizigen wie eifersüchtigen Töchter des Herzogs von Ferrara. Aus politischem Kalkül werden sie verheiratet, die eine mit dem gutaussehenden Grafen von Mantua, die andere mit dem sehr viel älteren machtgierigen Ludovico Sforza, dessen Amouren der jungen Braut nicht verborgen geblieben sind. Beide hätten bei der Zuteilung der Männer jeweils gern den anderen abbekommen.

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Die in New Orleans geborene Autorin Karen Essex versteht es, das Gepränge des Hofes, die Ränkespiele und Selbstdarstellungen des Adels und die politischen Auseinandersetzungen historisch korrekt in eine Romanhandlung einzuweben.
Wenn sie die opulenten Feste schildert, die Gewänder für die festlichen Hochzeiten, erinnert das an Gemälde von Meistern wie Raffael oder Bronzino, in deren Werken die Perlen auf der Haut der Modelle schimmern, Opulenz und Eleganz leuchten  und jeder noch so feine eingewebte Goldfaden im Gewand erkennbar ist. Die Autorin versteht sich auf prächtige Schilderungen, sie ist sattelfest bei den historischen Ereignissen, den Winkelzügen und Verbindungen zwischen den einzelnen Staaten und Mächten. Das ist für einen historischen Roman schon ein zentrales Fundament.  Natürlich spielen Liebe und Leidenschaft ebenfalls eine zentrale Rolle, die eine Schwester neidet der anderen den Mann und die mit ihm verbundene Macht. Es gibt  also Verführungen, Betrügereien, Liebesfreud und Liebesleid.

Dabei dreht sich das eigentlich Thema um den genialen Universalkünstler Leonardo da Vinci, der am Mailänder Hof arbeitet, eine Bronzestatue eines Pferdes gießen möchte und vor lauter Einfällen zur Stadtplanung, als Naturforscher und Techniker nicht dazu kommt, die gewünschten Porträts der feinen Damen zu fertigen.  Verglichen mit den ausgiebigen Schilderungen über jeden Seufzer der Schwestern Isabella und Beatrice, bleibt Leonardo da Vinci vergleichsweise blass. Er glänzt sowohl in den Erzählungen als auch im Roman vorwiegend durch Abwesenheit. Seine Zerrissenheit zwischen furiosem Erfindergeist und dem Zwang zum mühseligen Broterwerb tauchen zwar immer wieder als Orientierungspunkte auf, doch ein wirklicher Plot ist- anders als der Titel suggeriert- nicht enthalten. Dafür hat die Autorin nicht mit Zitaten aus da Vincis Aufzeichnungen gespart, die aufschlussreich und vergnüglich sind, aber nicht wirklich zu einem Handlungsstrang führen.

"Leonardo und die Principessa" ist ein mit vielen Nebensächlichkeiten angereichertes Sittengemälde über die zweifelsohne sehr spannungsreiche Zeit der Renaissance und die politischen Machtkämpfe. Wer sich für die historischen Zusammenhänge interessiert, wird von der Autorin durchaus kenntnisreich und solide recherchiert durch die Zeit geführt, muss allerdings viel Dekor rund um  Liebe und Lust in Kauf nehmen. Wer dagegen eine erotisch knisternde amour fou zwischen Leonardo und der Principessa erwartet hat, sieht sich möglicherweise enttäuscht auf das vergleichsweise trockene Brot der historischen Fakten gesetzt.

Karen Essex, die für diese Arbeit mit dem renommierten Literaturpreis Premio Roma ausgezeichnet wurde, versteht ihr Handwerk, das schützt allerdings nicht vor Ermüdungserscheinungen auf den fast 400 Seiten über Liebe und Leidenschaft, Krieg und Kunst.


Bibliographische Angaben



Karen Essex
Leonardo und die Principessa
Historischer Roman
Ehrenwirth, 2008
398 Seiten, EUR 17,95
ISBN 978 3 431 03750 0







Klappentext


"Wie ist es vorstellbar, dass dein erlauchter Gemahl Ludovico in einem französischen Gefängnis dahinvegetiert? Würdest du nicht auch gern wissen, wessen Gesicht er heraufbeschwört, bevor er auf seiner verlausten Strohmatratze einschläft? Deines oder meines?" Isabella dEste an ihre Schwester Beatrice Rivalisierende Schwestern, machtbesessene Herrscher und Leonardo da Vinci, das größte Genie aller Zeiten - Männer und Frauen, die ihre Epoche entscheidend prägten: Ihre offenen und geheimen Kämpfe in einer sich dramatisch verändernden Welt stehen im Zentrum dieses mitreißenden historischen Romans, in dem Karen Essex die italienische Renaissance mit prächtigen Bildern lebendig werden lässt und zugleich eine fesselnde Geschichte von Liebe und Verrat erzählt.



Letztes Update: 08-07-2008 12:19

Veröffentlicht in : Buch, Historischer Roman
Schlüsselworte : karen essex, 343103750X, leonardo und die principessa, florenz
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