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Die letzte Hexe - Maria Anna Schwegelin PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Birgit Erwin, am 07-07-2008 17:00
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Die letzte Hexe - Maria Anna SchwegelinArmselig

Deutschland Anno 1775 - Trotz ihrer gottesfürchtigen Namen wird das Mädchen Maria Anna in eine unbarmherzige Welt hineingeboren. Ein Blick kann eine Frau zur Hexe stempeln, ein einziger Augenblick sie zur Hure machen. Und während sich um sie her aufgeklärtere Kräfte um Humanität bemühen, gerät sie in die Maschinerie von Folter und Tod.



Elternlos wächst die junge Maria Anna heran und muss von Kindesbeinen an lernen, sich um sich selber zu kümmern. Fest im katholischen Glauben verwurzelt, ist es das einzige Bestreben der jungen Frau, ihren wechselnden Dienstherren zu gefallen und dabei ihre Unschuld - ihr einziges Gut - zu bewahren. Doch ihre Bemühungen sind vergebens, sie wird während einer Hochzeit vergewaltigt und anschließend zusammen mit ihrer einzigen Freundin Marianne fortgejagt.

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Daraufhin versucht Maria, sich in der Stadt durchzuschlagen, und tatsächlich scheint ihr noch einmal das Glück zu lachen, als sie sich in einen lutherischen Kutscher verliebt. Um seinetwillen schwört sie ihrem katholischen Glauben ab, doch dann geschieht das Unglaubliche: Ihr Verlobter verlässt sie. Für Maria Anna bricht eine Welt zusammen, völlig verstört flieht sie in die Wälder, wo sie einige Zeit später als Landstreicherin aufgegriffen wird.

Hexenverfolgung ist ein beliebtes Thema historischer Romane. Wo sonst kann man derart plastisch Dummheit und Brutalität darstellen, wo sonst stellt sich das Leid einer unschuldigen Heldin so mitleiderregend dar? Dabei ist man als Leser beinahe daran gewöhnt, dass die beschuldigten Frauen schön, tapfer und kämpferisch sind. Meistens gibt es da noch eine große Liebe oder doch einen bestialischen Gegenspieler.

Dass Uwe Gardein das Thema um die letzte historisch verbürgte Hexe ganz anders anpackt, ist sowohl eine Überraschung als auch eine echte Bereicherung. In einer beinahe halbdokumentarischen Art und Weise zeichnet der Autor das Leben der jungen Frau nach, die weniger als individuelle Heldin herausgearbeitet sondern vielmehr als typisches Kind ihrer Zeit dargestellt wird. Sie selber teilt die Vorurteile ihrer Epoche, hält sich, geschändet, für eine Hure und zweifelt keinen Augenblick daran, dass es den Satan tatsächlich gibt.

Passend zu dieser authentischen Darstellung einer ungebildeten Magd, die alles andere als schön und begehrenswert ist, sind auch ihre Widersacher keine von Gott beseelten Sadisten sondern Männer, die keine Sekunde an die Schuld der Hexe glauben, die aber einfach keinen Ausweg aus der aufgeheizten Situation wissen und denen es eigentlich auch egal ist. So wird völlig undramatisch ein dramatisches Stück Geschichte dargestellt, das auch sprachlich niveauvoll wenn auch bisweilen recht spröde ausgestaltet wird. Zwar ist dies nicht wirklich ein Krimi, aber eine authentische Geschichte, die interessante Einblicke in das Seelenleben dieser Zeit eröffnet.

Fazit: Historischer Roman für alle, denen Authentizität wichtiger ist als pralle Action

Bibliographische Angaben




Uwe Gardein
Die letzte Hexe - Maria Anna Schwegelin
Gmeiner Verlag
326 Seiten, EUR 12,90
ISBN 9783899777475




Klappentext

Die Lebensgeschichte der Maria Anna Schwegelin - Deutschlands letzte Hexe
Kempten, im April 1775. Fürstabt Honorius von Schreckenstein, der ganz im Zeichen der neuen Zeit eine aufgeklärte Kirche zu forcieren versucht, steht vor der schwersten Entscheidung seines Lebens: Das Volk will die Landstreicherin Maria Anna Schwegelin auf dem Scheiterhaufen brennen sehen. Nach ihrem Geständnis, mit dem Teufel Unzucht getrieben zu haben, scheint ein Hexenprozess und damit ihr Todesurteil unabwendbar.





Letztes Update: 07-07-2008 14:01

Veröffentlicht in : Buch, Historischer Roman
Schlüsselworte : uwe gardein, Die letzte Hexe, Maria Anna Schwegelin, hexe, 3899777476
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