Natürlich! Früher war alles besser. Das Fernsehprogramm, die Klamotten und natürlich die Musik. Alles nicht so stylish, viel natürlicher. Nicht auf bloßen Kommerz und blanke Oberfäche getrimmt. Das Lamento über die grässliche Gegenwart der heute 30- bis 40-Jährigen hört sich kaum anders an als das ihrer Väter und Mütter. Doch kaum einer verpackt es so witzig und selbstironisch wie der in New York lebende und schreibende Autor Dan Kennedy. Sein Lebenselixier war und ist der Rock’n Roll. Ein Musikstil, der mehr Jahre auf dem Buckel hat als er selbst. Kiss, Led Zeppelin und Iggy Pop sind seine musikalischen Götter, die er anzubeten nie aufgehört.
Erst recht nicht, als ihn der Zufall, besser gesagt sein erstes selbst gemixtes und hochgelobtes Musikvideo in die obersten Stockwerke des legendären Labels Atlantic Records katapultiert hat. Endlich konnte er als Creative Director den alten und neuen Stars am Musikhimmel ganz nahe sein. Doch statt die Höhen des Musikbusiness zu erwandern, bewegte er sich schon bald am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Ganze 18 Monate erlebte und erlitt er den Selbstbetrug angepasster und ehrgeiziger Führungskräfte auf der mittleren Managementebene. Musste Werbekampagnen und Promoclips für den Softpopper Phil Collins oder den pelzliebenden Gangsta-Rapper Fat Joe ersinnen. Aber auch sentimentale Folkrocker oder aufgedonnerte Girl-Bands kreuzten seinen kurzen Karriereweg. In wirklich guter Erinnerung hat er sie genauso wenig behalten wie die alltäglichen Meetings, bei den nur heiße Luft, aber keine neuen Ideen ventiliert wurden. Statt Sein wurde bloß der Schein produziert.
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Dank seiner aberwitzigen Auslassungen wissen wir jetzt, welche Dramen und Realsatiren sich hinter den glänzenden Hochhausfassaden eines Majorlabels abspielen. Natürlich nur aus der stark eingefärbten Sicht eines enttäuschten Rockliebhabers und überforderten Marketingneulings. Aber keine andere Perspektive wäre aufschlussreicher und amüsanter als die eines Insiders, der in diesem Geschäft immer ein Outsider geblieben ist. Was Kennedy aus seiner musikalischen Midlife-Crisis zu berichten weiß, rockt nämlich allemal mehr, als die vielen kurzlebigen Produkte der heutigen Musikmaschinerie. Aber so urteilen vielleicht nur jene, die Kennedys Generation angehören und wissen, dass die Zukunft auch schon mal besser war.