Drachentochter ist stark, ist gewaltig, ist einzigartig! Mit einem Ausdruck, der seinesgleichen sucht, mit einer Neukreation und Neukombination von Worten und Zusammenhängen betritt die Drachentochter den Büchermarkt: Schroff und abgeklärt, doch zugleich naiv und offenherzig ist der Erzählton der Protagonistin.
In den 60iger Jahren irgendwo zwischen Spreewald und Ostseeküste: Von einer 13jährigen Mutter geboren, von dieser getreten, gehaßt und unverstanden, sucht sich die Drachentochter einen Weg durchs Leben. Gewohnt zu kämpfen um zu überleben, fällt sie schon in frühester Kindheit als Rebellin und Einzelgängerin auf.
Als Aufrührerin steht die Drachentochter bald auf der "roten Liste" der Stasi. Konsequente Verweigerung, Witz und politische "Unkorrektheit" sind dem Staat ein Dorn im Auge. Doch auch einem vom Schicksal gebeutelten Menschen, widerfährt ab und zu so etwas wie Glück: Auf einem Staatsgestüt findet das Mädchen seine Bestimmung, seine Liebe: sie bewährt sich, für alle überraschend, als Zureiterin für wilde Pferde, ein nie erlebtes Glücksgefühl. Schließlich entdeckt sie ihr Mittel der Selbsterfahrung und des Selbstausdrucks - die Fotografie. So eigenwillig, anders und mutig wie sie von klein auf ist, ist Kerstin Mlynkec´s Drachentochter auch als Erwachsene noch. Unterwegs im Künstlermilieu, dem DDR-Regime entflohen macht sie sich auf den Weg die Welt für sich zu erobern und gleichzeitig nach ihren eigenen Wurzeln zu suchen.
Diese Wurzeln entdeckt die Drachentochter in der Kultur der sorbischen Minderheit, die seit der Völkerwanderung im 6. Jahrhundert weite Gebiete zwischen Ostsee und Thüringer Wald, Elbe und Oder besiedelt und urbar gemacht hat und dafür Verfolgung, Vertreibung und Zwangsassimilation erleiden musste. Auch in diese Welt erhält der Leser einen Einblick.
Die Drachentochter ist ein sehr empfehlenswertes Buch, voller Witz, Charme und Tiefsinn.