Der Palast der tausend Gewürze ist beinahe eine eigene Welt im tristen Amsterdam – Schätze aus aller Herren Länder finden sich in den Regalen und drohen dem Käufer die Sinne zu verwirren. Doch scheinbar ist nicht alles so perfekt in der Familie des indischen Patriarchen Rashid Sharman. Zwei Morde drohen, den Palast zum Einstürzen zu bringen.
Auf einem Amsterdamer Hausboot wird die grässlich zugerichtete Leiche des jungen Inders Amir gefunden. Commissaris Bruno van Leeuwen, der selber kaum mit der fortschreitenden Alzheimererkrankung seiner geliebten Frau Simone fertig wird, steht vor einem rätselhaften Fall, denn der Tote wurde ganz offensichtlich zwei Mal getötet. Noch komplizierter werden die Ermittlungen, als auch Amirs schwangere Lebensgefährtin stirbt, nachdem sie van Leeuwen einen Hinweis auf einen "unheimlichen Mann" gegeben hat.
Anzeige
Ihre Hinweise führen zu dem "Palast der tausend Gewürze", dem Gewürzladen des indischen Einwanderers Rashid Sharman, der sich dort mit seinen Söhnen und seiner jungen Geliebten eine neue, recht lukrative Existenz aufgebaut hat. Doch van Leeuwen stellt bald fest, dass das Familiengebäude kurz vor dem Einstürzen steht. Einer der Söhne ist geistig zurückgeblieben, der andere steht im Verdacht, Rauschgift nach Amsterdam zu schmuggeln. Da ist ein Mord leicht der Funke, der das Pulverfass zum Explodieren bringen kann.
Was bei Claus Cornelius Fischers Roman sofort auffällt, ist die für einen Krimi untypisch lyrische Sprache. Sogar der Beschreibung eines blutigen Leichnams haftet etwas Künstlerisches an. Doch dieser Pluspunkt wirkt an anderer Stelle ein wenig störend, denn der Autor nimmt sich viel – für manche Leser sicher zu viel – Zeit, um neben dem Kriminalfall auch die private Situation seines Kommissars zu beschreiben. Das wirkt deswegen unausgewogen, weil die Nebenhandlung um Bruno und seine Frau Simone nirgendwo Berührungspunkte zu der eigentlichen Geschichte findet.
Dabei ist der eigentliche Fall durchaus spannend und aufgrund der aufeinandertreffenden Kulturen der Einheimischen und Einwanderer auch sehr farbig ausgestaltet. Zum Glück verzichtet Fischer im Laufe der Handlung weitgehend auf Klischees über Rassismus, auch wenn diese gegen Ende doch ihren Einzug in die Geschichte halten. Auch das Ende wirkt ein wenig wie der letzte Teil des "Herrn der Ringe", bei dem einige Spötter von über zehn Enden sprachen. Ähnliches passiert auch hier: auf den letzten paar Seiten entwickeln sich mehr Szenarien und mögliche Auflösungen als im ganzen Roman zuvor.