Sie nennt ihn nur D.B. Mann – der böse Mann – den Mann, der beinahe ihr Leben zerstört hätte. Jetzt sind nur noch die Narben geblieben, und die Angst. Doch mit Willenskraft und Ehrgeiz ist Nan Vining in ihren alten Job bei der Polizei zurückgekehrt und muss sich gleich an ihrem ersten Tag mit dem Mord an einer Kollegin befassen.
Ein Jahr nach einem verpatzten Einsatz kehrt die junge Polizeibeamtin Nan Vining an ihren alten Arbeitsplatz zurück. Sie hat ein paar furchtbare Narben und eine gut kontrollierte Angst vor geschlossenen Räumen davongetragen, seit ein Verdächtiger sie mit einem Messer angegriffen hat und anschließend entkommen ist. Doch nun ist es die Leiche ihrer Kollegin Frankie von der Sitte, der sie gegenübersteht. Die junge Frau wurde offensichtlich gefoltert und ihre Leiche dann entsorgt.
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Zunächst fällt der Verdacht auf Frankies verheirateten Kollegen und Liebhaber, doch obwohl Nan ihn für ein Schwein hält, glaubt sie nicht, dass er ein Mörder ist. Erst als ein Video auftaucht, das beweist, dass zwei Täter, ein Mann und eine Frau, an der Tat beteiligt waren, wird die Spur wieder heißer. Nan ist fest überzeugt, in dem reichen, charmanten John Lesley und seiner Frau Pussycat die Täter gefunden zu haben. Dann verschwindet eine zweite Frau.
Dianne Emleys Thrillerdebüt Tiefe Stiche lässt beim Leser einen zwiespältigen Eindruck zurück. Obwohl die Figuren griffig sind und die Handlung routiniert entworfen ist, bleibt der Roman doch recht oberflächlich. Für manche Leser mag es irritierend sein, dass es von vorneherein klar ist, wer der Mörder ist. Es geht nicht darum, wer entlarvt wird sondern wie das vor sich geht. Doch jeder routinierte Krimileser weiß, dass auch auf diese Weise Spannung entstehen kann.
Problematischer sind wahrscheinlich die zahlreichen Rückblenden, die immer wieder den Handlungsfluss unterbrechen. Zwar werden auf diese Weise wichtige Informationen über Plot und Figuren vermittelt, doch leider wird auch der Spannungsbogen immer wieder unterbrochen. Zum anderen sind da die bedeutungsvollen – an einer Stelle sogar übernatürlichen – Hinweise, die aber letzten Endes ins Leere laufen.
Vielleicht zeigt sich an dieser Stelle doch noch die Unerfahrenheit der Autorin, die zwar weiß, wie man die Aufmerksamkeit des Lesers weckt, nicht aber, wie man sie zu einem überzeugenden Ende führt. Doch da im letzten Absatz der zweite Band bereits vorgezeichnet ist, darf man gespannt sein, was Emley sich noch für ihre Heldin ausgedacht hat. Vielleicht gelingt es ihr sogar, Nan Vining ein wenig von ihrem moralischen Perfektionismus zu nehmen, der sie zu einer verletzten, doch unfehlbaren Richterin macht.
Fazit: Routinierter Thriller, spannend, aber in den Details nicht ganz ausgereift.
Dianne Emley Tiefe Stiche (Originaltitel: The First Cut)
Aus dem Amerikanischen von Friedrich Pflüger
Knaur
445 Seiten, EUR 7,95
ISBN 978 3 426 63614 5
Detective Nan Vining hätte es fast erwischt: Bei dem hinterhältigen Messerangriff eines Gangsters entkam sie nur knapp dem Tod. Gerade als sie sich, unsicher und zweifelnd, nach einem Jahr wieder traut, in ihren Job zurückzukehren, weckt ein neuer Fall furchtbare Erinnerungen: Unter einer Brücke wird die Leiche einer Polizistin entdeckt - mit durchschnittener Kehle. Bei ihren Ermittlungen kommt Nan einem unbarmherzigen Killer auf die Spur, dessen mörderische Methoden sie an den Mann erinnern, dem sie um ein Haar zum Opfer gefallen wäre. Ist sie erneut in Gefahr?