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Zaira PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Claudine Borries, am 27-06-2008 14:00
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Favoriten 14

zaira120.jpg Zaira
Eine Familiengeschichte, die quer durch das vergangene Jahrhundert über verschiedene Kontinente führt.

Die Protagonisten in diesem Roman sind erfunden und könnten doch der Realität entsprungen sein!
Mit 70 Jahren ist Zaira aus Amerika in ihr Dorf Strehaia nach Rumänien zurückgekehrt und erinnert sich der frühen Jahre ihrer Kindheit. Hier wurde die Icherzählerin 1928 unter ungewöhnlichen Begleiterscheinungen als Tochter reicher Gutsbesitzer geboren, und hier hat sie ihre ersten schönen Jahre verlebt. Nach der glücklichen Kindheit geriet sie in den Sog der politischen Umwälzungen, mit der als Folge des Zweiten Weltkriegs die Balkanstaaten in den Machtbereich kommunistisch beherrschter Staaten hineingezogen wurden.

In einem leicht mystifizierenden Ton beschreibt der Autor eine Jugend im Wohlstand und in ländlichem Frieden. Geburten und Todesfälle und ein ausgedehntes bäuerliches Landleben bestimmen den Alltag. Zwar sind die Dorfbewohner fast Leibeigene und hegen die notwendige Hochachtung für ihre Herren. Doch eigentlich sind alle wie eine große Familie. Zaira wächst in der Obhut der Großmutter und des Cousins Zizi  heran. Ihre Eltern sieht sie nur selten, denn der Vater ist Offizier, und die Mutter hält es auf dem Lande nie lange aus. Zizi ersetzt ihr die beiden, indem er sie mit nächtlichen Aufführungen in Form der Commedia dell’ Arte unterhält. Seine Geschichten mit den Kindheitsmythen dienen ihr als Vorlage für ihr eigenes Leben.
 
Die guten Zeiten weichen schon bald der Unruhe des Zweiten Weltkriegs. Die Gutsbesitzer werden enteignet und zu Bettlern im eigenen Land. Mit den Eltern geht Zaira später nach Bukarest und noch später nach Timiçoara, wo sie als berühmte Puppenspielerin Karriere macht. 
In besonderer Weise bekommt man eine Ahnung von den Zuständen unter der Ära des kommunistischen Herrschers Ceausescu. Szenen von unentwirrbarer Angst und Gewalt fallen zusammen mit einer hanebüchenen Liebesgeschichte, die Zaira als junges Mädchen erlebt.
Nachdem die Kommunisten alle Machtinstrumente an sich gerissen haben, beginnt für die ehemals Reichen eine ungewisse Zeit. Zaira schlägt den Machthaber immer wieder ein Schnippchen mit ihren couragierten und gewagten  Äußerungen ihrer Märchengestalten, die ihre Puppen verkörpern. Sie flüchtet zuletzt mit ihrem zweiten Ehemann und ihrer Tochter nach Amerika. Dort setzen sich ihre seltsamen Abenteuer in gewohnter Manier fort.

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In dem Roman verbindet sich Ernst mit Schalk, Lebenseinsichten mit Groteske, und die Abenteuer eines ganzen Lebens in Krieg, Frieden und Untergang. Die Protagonisten besitzen außergewöhnliche und einmalige Konturen. Angefangen von der eigenwilligen Zaira über Zizi bis zur Großmutter oder über die launige Mutter bishin zum langsam alternden Vater: sie alle haben unverwechselbare Charaktereigenschaften. Zairas erste Ehe mit Paul kommt genauso skurril daher wie ihre zweite und eigentlich einzige große Liebe in Gestalt von Traian, eines feinfühligen und fantasiebegabten Puppenspielers und Säufers, mit dem sie lange zusammen Theater spielt.
Mit Spannung folgt man dem Schicksal von Zaira, das in den Wirren der neuen Weltordnung fast unterzugehen droht.
Die lakonische Ausdrucksweise verstört so lange, bis man merkt, dass gerade mit diesem Stilmittel die herbe politische Landschaft, die Armut und der Hunger und die wechselnden Lebensverhältnisse in ihrer ausgeprägten Einmaligkeit gewürdigt werden.
Dabei kommt es zu komischen Auftritten, brulesken Handlungen und absurden Vorkommnissen, mit denen die Politik der ehemaligen rumänischen Führungsschicht karikiert wird. Teils echt wie die raue Wirklichkeit, teils einer skurrilen Märchenhandlung aus dem Landleben gleichend bietet die Geschichte Unterhaltung auf höchstem Niveau. Zeigt sie doch auf ehrliche und komische Weise einen Abriss europäischer Kriegs und- Friedensgeschichte, wie sie in dieser Form nur schwer zu finden sein wird.

Der Autor ist nach eigenem Bekunden ein Geschichtendieb. So hat er auch diese Geschichte aus den Erzählungen einer heimwehkranken Touristin aus Amerika erdichtet, die er in seinem siebenbürgischen Geburtsort getroffen hat.

Der Roman ist spannend, ohne die Grenzen zur Unterhaltungsliteratur zu überschreiten, und gefällt als lockeres sprachliches Kunstwerk, das mit seiner souveränen Beherrschung erzählerischer Mittel nicht prahlt. 

Bibliographische Angaben

Catalin Dorian Florescu Zaira
Beck Verlag, 2008
477 Seiten, gebunden, EUR 19,90
ISBN 3406570291








Letztes Update: 27-06-2008 14:18

Veröffentlicht in : Buch, Belletristik
Schlüsselworte : 3406570291, Familiengeschichte, Rumänien, Krieg, Groteske, Florescu
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