Hans Christian Andersen gehört ohne Zweifel zu den bekanntesten Märchen-Autoren der letzten Jahrhunderte. Mehr als 160 Märchen hat er geschrieben und liefert noch heute nicht nur Vorlesestoff, sondern fungiert für etliche Schriftsteller, die sich an seinen Stoffen bedienen als schier unerschöpfliche Inspirationsquelle. So auch - wer hätte da gedacht? - der US-amerikanische Thriller Autor Richard Montanari in seinem jüngsten Thriller Lunatic.
Lunatic ist bereits der dritte Thriller um das Ermittlerteam Kevin Byrne und Jessica Balzano aus Philadelphia. Und nachdem in Mefisto einzelne Filmszenen als Blaupause für die mal mehr mal weniger raffinierten Morde herhalten mussten, sind es diesmal die Märchen Hans Christian Andersens. Der Mörder, natürlich ein Irrer, inszeniert seine Morde nach berühmten Szenen aus den bekannten Märchen: So sitzt beispielsweise eine junge, schöne Frau reglos in einem weißen Kleid am Flussufer und starrt zum bleichen Wintermond empor - tot und ihrer Schuhe samt Füße, die in den Schuhen steckten beraubt. Die roten Schuhe, so das Märchen, das für diesen mörderische Szenerie Pate steht - und so geht es munter weiter: Die Nachtigall und Däumelinchen sind weitere Geschichten, die hier Anwendung finden.
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Und so mysteriös, wie die Mordfälle, unter deren Opfern sich auch bald ein ehemaliger Polizist befindet, daherkommen, so sehr tappen die beiden Ermittler Byrne und Balzano im Dunklen, zumal sie noch ziemlich schweren und lästigen Ballast mit sich herumschleppen: Byrne wurde Zeuge eines Überfalls auf ein Café, in dem er sich befand und bei dem eine Frau erschossen wurde, weil Byrne nicht rechtzeitig reagierte. Nicht genug, dass er mit seinem schlechten gewissen zu kämpfen hat - nein, auch der verzweifelte Ehemann stellt ihm nach und behindert die Ermittlungen ein ums andere Mal. Ein ziemlich billiger und durchsichtiger Trick, den sich Montanari da hat einfallen lassen, die Handlung ein wenig zu strecken - etwas besser und zielführender ist da schon die Idee, parallel zum Märchen-Mörder noch einen anderen Mörder auftreten zu lassen, der irgendwie mit der ursprünglichen Mordserie zu tun hat - schließlich wird ein verdächtiger nach dem anderen tot gefunden ...
Die Handlung gipfelt in einem stillgelegten Märchenpark - dramatisch, actionreich und durchaus mit überraschenden Elementen. Montanari ist mit Lunatic ein durchaus solider Thriller gelungen, der zwar an ein paar Längen krankt aber insgesamt über eine interessante Handlung sowie ein sympathisches Ermittlerteam verfügt. Die Einbindung der Märchenszenen gelingt ihm zudem besser als in Mefisto, wo die Idee, berühmte Filmsequenzen zu verwenden zwar sehr gut, die Umsetzung aber doch recht holprig vonstatten ging.
Eine Empfehlung für Krimi-Fans ist das Buch allemal wert.
Eine schöne junge Frau sitzt in einem langen, weißen Kleid am Flussufer und starrt zum bleichen Wintermond empor. Auf den ersten Blick sollte man nicht einmal meinen, dass sie tot ist. Auf den zweiten Blick sieht man, dass ihre Schuhe fehlen. Mitsamt den Füßen. Kevin Byrne und Jessica Balzano, Detectives der Mordkommission von Philadelphia, nehmen die Ermittlungen auf. Bald stoßen sie auf eine weitere Tote, in einem verlassenen Wasserwerk, mit einem rätselhaften Objekt in den verkrampften Händen. Eine Spur von Leichen führt den Schuykill River hinauf. Doch die Identität des Mörders bleibt ein Rätsel. Die Ermittlungen führen ins Leere, denn die möglichen Täter, die die beiden Detectives ins Auge fassen, werden selbst zu Mordopfern, einer nach dem anderen. In Balzano und Byrne wächst ein schrecklicher Verdacht. Haben sie es vielleicht nicht mit einem, sondern mit zwei Tätern zu tun? Einem Wahnsinnigen, der im kalten Licht des Mondes blutige Märchen inszeniert. Und einem kaltblütigen Killer, der die Verdächtigen tötet ...