Eine bewegende Geschichte, über Menschen die an der Grenze leben- an der Grenze zum Nichts und an der Grenze zum Glück!
Hoch oben im Norden zwischen China und Nordkorea bildet der Fluß Tumen die Grenze zwischen den beiden Ländern. Hier lebt einer der letzten Ginsengjäger, der die Kunst, diese seltene und wertvolle Wurzel aufzuspüren, von seinem Vater erlernt hat. Der schon ältere Mann führt ein bescheidenes Leben, nur einmal im Monat verlässt er seine Hütte im Wald, um in der nächstgelegenden Stadt einzukaufen und das dortige Bordell zu besuchen. Als er sich in eine junge Prostituierte verliebt, die aus Nordkorea geflohen ist, muss er eine schwerwiegende Entscheidung treffen...
Der Icherzähler wandert viele Stunden den Berg hinauf und wieder hinunter, wobei er seinen Gedanken nachhängt und die malerische, schäumende und erhabene Natur in ihrer ganzen Ruhe und Schönheit bewundert.
Die Vögel sind fast ausgestorben, denn auf Befehl Maos mussten sie mit dem Geklapper von Pfannen und Töpfen so lange gejagt werden, bis sie in Scharen tot vom Himmel fielen. Zwar können die Vögel die Ernte nicht mehr vernichten; dafür machen Heuschreckenscharen ihr nun den Garaus. Viele Menschen müssen Hungers sterben. Als der Icherzähler nur noch mit dem Vater überlebt hat, gehen sie zusammen auf die Jagd und in die nächste größere Stadt, um die Ginsengwurzeln zu verkaufen. Einmal im Monat machen sie den weiten Weg, wo der Vater das dortige Bordell besucht. Später übernimmt der namenlose Icherzähler diese Gewohnheit.
In einer der Frauen findet er eine Geliebte, die seine Gedanken besetzt und ihn in seinem ruhigen Lebenslauf verunsichert. Kann er oder soll er sie zu sich nehmen?
Auch in dieser abgelegenen Gegend hört man Gerüchte über Nordkorea. Die Menschen kommen in Scharen über den Fluss auf der Flucht vor Not und dem Untergang in einem verrotteten Land. In der Grenzregion in China, wo es für die dort ansässigen Menschen selber nicht genug zu Essen gibt, fürchtet man die Prostituierte und verrät sie.
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In einer bunten, starken und an Worten poetisch reich ausgerichteten Sprache, erzählt der Autor Jeff Talarigo von der Härte der Lebensbedingungen und den Menschen, die in dieser abgelegenen Gegend ihr Leben fristen. Die wunderbare Ruhe der Natur und ihre Schönheit überstrahlen die Erzählung und geben ihr einen ausgewogenen, herrlichen Glanz. Wenn man meint, alleine mit Naturbeschreibungen könne man doch keine Erzählung erdichten, so ist das ein Irrtum. In ungewohnter Manier verbindet der Autor poetische Bilder über Pflanzen, über die Unzahl wilder Tiere und Vögel mit den politischen Gegebenheiten eines Landes, in dem die Willkür und Herrschaft einzelner Gruppierungen zu Ungerechtigkeit und Armut beim Volk führt. Mao ist der große Führer, der über die Geschicke des Landes und ihrer Menschen bestimmt.
Dabei ist der Kontrast zwischen der einfallsreichen, zarten und poetischen Kraft der Erzählung und dem kargen Leben der Bewohner in dem Grenzgebiet zwischen China und Nordkorea erschreckend. Schlimmer noch als in China wütet in Nordkorea der kommunistische Führer Kim-Il-sung. Unter seiner Herrschaft hungern die Menschen, besitzen keinerlei Freiheiten oder Rechte und werden mit harter Hand unter dem Willkürregime verfolgt und gequält. Sie versuchen immer wieder auf der Flucht vor den Schergen des Regimes, die Grenze nach China zu überschreiten. Doch auch hier werden sie verfolgt und bedroht.
Mit seiner so nachhaltig erzählten Geschichte wird das Leben der Koreaner und Chinesen in jenem Grenzgebiet lebendig, das abseits von Europa in ganz anderen Bahnen verläuft, als es für uns Europäer vorstellbar ist.
Die Erzählung besitzt Aussagekraft und ist in der Verbindung zwischen poetischer Einfühlsamkeit und Betonung menschlicher Grausamkeit von eindrucksvoller Präzision. Man erfährt auf diesem Wege über ein Regime, das als einziges Land im kommunistischen Ostblock weiterhin hinter einem eisernen Vorhang sein Unwesen treibt. Ein beachtenswerter Erstlings- Roman in seiner Reinheit und Ausdrucksform eine absolute Empfehlung!