Evis ist gerade 22 geworden, studiert Jura in München und lebt ein normales, glückliches Leben. Obwohl er in Sarajevo geboren wurde und aufgewachsen ist, sieht er mittlerweile München als seine Heimat an. Denn kurz vor Ausbruch des Krieges dort, ist seine Mutter mit ihm geflüchtet in ein Leben ohne Granaten und Tod.
Mehr als zehn Jahre später kehrt Elvis zurück in seine Geburtstadt, die den Krieg mittlerweile überstanden hat. Zunächst ist es für ihn nur ein Job, der ihn die Heimat seiner Mutter bringt, die ihm selbst fremd geworden ist. Einer seiner Professoren hat einen Übersetzer gesucht, um einen Kongress in Sarajevo vorzubereiten und Elvis hat den Job bekommen. Für ihn ist es keine große Sache, zwar ist er interessiert, aber nicht emotional involviert.
Das ändert sich jedoch schnell, als er in sein altes Viertel kommt und eine Gedenktafel für seine beste Freundin aus Kindertagen entdeckt. Nina lebte im Nachbarhaus und ging in dieselbe Klasse wie Elvis. Doch ihre Eltern sind nicht aus Sarajevo geflohen, sondern haben den Krieg in ihrer Heimat hautnah miterlebt. Nina ist diesem Krieg zum Opfer gefallen, sie wird beim Spielen mit ihren Freundinnen von einem Granatsplitter an der Halsschlagader verletzt und wird so das letzte Kind, dessen Leben der Krieg fordert.
Als Elvis die Gedenktafel sieht, begibt er sich auf Spurensuche, um seine beste Freundin oder zumindest die Erinnerung an sie wiederzufinden. Und tatsächlich findet er ihre Mutter, die ihm Ninas Tagebuch zeigt: Es ist an ihn adressiert. Elvis findet in der einen Woche, die er in Sarajevo verbringt, nicht nur die Erinnerungen seiner besten Freundin sondern auch ein Stück Heimat wieder. War Sarajevo vorher nur eine beliebige Stadt für ihn, so ist sie nun wieder mit ihm verbunden, ist wieder greifbar für ihn.
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Peter Münch kam nach Sarajevo, um zu dokumentieren, was der Krieg den Menschen dort angetan hat, welche Wunden er gerissen hat. Bei seiner Recherche ist er auf die Gedenktafel gestoßen, die auf Ninas Tod hinweist. Denn der Teil der Geschichte ist tatsächlich so passiert, Nina und ihr Tagebuch sind authentisch. Einzig den schon in der Kindheit nach München geflohenen Elvis hat sich Münch ausgedacht, um Ninas Geschichte einen anderen Lebensweg entgegenzusetzen.
Und das ist ihm wahrlich gut gelungen: Feinfühlig und berührend zeigt er, wie anders auch Ninas Leben hätte verlaufen können, wenn sie nicht in Sarajevo hätte bleiben müssen. Gerade durch die Kontrastierung der beiden Nachbarskinder, wird noch viel deutlicher, wie sinnlos Krieg im allgemeinen ist - und dass er immer die unschuldigen schädigt. Ninas Schicksal steht stellvertretend für die vielen Kinder, die in diesem Krieg sterben mussten, in einem Krieg, den nicht einmal die Erwachsenen verstanden. Wie kam es, dass Nachbarn sich plötzlich wegen ihrer verschiedenen Religionen töteten, wo sie doch jahrzehntelang miteinander gelacht, getanzt und gefeiert hatten?
Auch Nina versteht diesen Krieg nicht und versucht, das normale Leben einer zwölfjährigen zu führen. Sie schwärmt für Jungs, geht tanzen, schaut Filme und wünscht sich nichts sehnlicher, als Schokolade und einen Kuchen zu ihrem Geburtstag. Nur selten spricht sie in ihrem Tagebuch die Schrecken des Krieges direkt an. Vielmehr versucht sie, diese auszublenden und sich auf die schönen Dinge, die es auch in ihrem Leben gibt, zu konzentrieren. Ninas Aufzeichnungen sind wortgetreu übernommen worden und lösen einerseits Bewunderung für dieses junge Mädchen aus, das sich nicht dem Krieg unterordnen will - andererseits wird das Ende so noch um einiges erschütternder.
Fazit: Peter Münch hat mit seinem Vorhaben, die Kriegsschicksale zu dokumentieren beinahe zufällig die Geschichte von Nina entdeckt. Mit diesem Buch leistet er seinen Teil gegen das Vergessen all der ermordeten Kinder. Sehr feinfühlig begibt er sich auf Spurensuche und trifft dabei immer den richtigen Ton. Ein Buch, das nicht nur Kinder lesen sollten.
Peter Münch Der Duft des Lindenbaums Ravensburger Buchverlag, Februar 2008
190 Seiten, gebunden, 12,95 Euro
ISBN 10: 3473352837
ISBN 13: 978-3473352838